Martta Kaukonen : Manipuliert
('Ira'-Trilogie, Bd. 3)
Buchbesprechung von Bettina Dauch, Juni 2026
dt. Erstausgabe: 2026 - Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe, München
finn. Originalausgabe: 2025 - Werner Söderström Ltd. (WSOY), Helsinki
Titel der finnischsprachigen Originalausgabe: "Poissa"
aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
Im dritten Band der Trilogie um die junge Ira Haaleajärvi kommen dieselben drei Personen wie im Vorgänger zu Wort: Ira, Arto und Kerttu. Die Erzählungen knüpfen zu Teilen an die Geschehnisse der ersten beiden Bücher an, und auch wenn es wieder einige Rückblenden gibt, empfiehlt es sich, den dritten Band idealerweise nicht ohne die Kenntnisse der vorherigen Bände zu lesen. Es gibt zwei getrennte Zeitebenen: Iras und Artos Erzählungen stammen fast ausschließlich aus dem Jahr 2024, Kerttus sind von 1995. Genau genommen spielt die Hälfte des Geschehens vor den Ereignissen von Band 2. Abermals setzt die Geschichte mit Iras Schilderung einer Mordszene ein, mit ihr selbst als Täterin und genauen Details zu Tatort und Hergang.
Die Kriminalpolizistin Kerttu Leppänen erinnert sich gleich zu Beginn in einem Rückblick an das tragische Ereignis aus Traumatisiert, als sie bei einer Verfolgungsjagd ihren Kollegen und Partner Esko Koivuvyö versehentlich erschoss. Sie erzählt von ihrer Arbeit und ihren Kollegen sowie dem damals aktuellen Fall Saana Kolmisoppi, die mehrfach den Gewaltausbrüchen ihres Ex-Mannes ausgeliefert war und nach einem weiteren Aufenthalt im Schutzheim in ihrer Wohnung erstochen aufgefunden wurde. In dem gesamten Buch ist häusliche Gewalt zentrales Thema. Kerttu unterrichtet angehende Polizisten an der Polizeischule, wo sie besonderen Wert darauf legt, dieses Phänomen immer wieder anzusprechen, gerade weil sie dabei immer noch auf viel Unverständnis stößt. Sie erklärt den Schülern, warum es nie die Schuld der Frau ist und wie die ganze Dynamik überhaupt zustande kommt. Im Rahmen ihrer Polizeiarbeit und auch darüber hinaus kümmert sie sich immer wieder persönlich um Opfer gewalttätiger Partner. Bereits auf dem Foto von Saanas Leiche am Tatort kann man gewisse Hinweise auf die Tat und die Identität des Täters finden. Das Opfer wurde nicht mit dem am Tatort platzierten Messer erstochen. Der Ex ist verschwunden und natürlich der Hauptverdächtige, obwohl einige Anhaltspunkte gegen seine Täterschaft sprechen. Kerttu hat bereits einen Verdacht, zu dem man jedoch zunächst nichts Konkretes erfährt. Bald darauf wird eine neue Leiche gefunden, von einem 33-jährigen Mann, dessen schwangere Freundin umgehend vernommen wird. Bei ihr können Kerttus und Eskos geschulte Blicke ebenfalls Spuren von körperlicher Misshandlung erkennen. Somit ist der Tote auch ein gewalttätiger Partner gewesen. Eines Abends erkennt Kerttu im Fernsehen eine weitere Frau, die sie bereits einmal ins Schutzheim gebracht hat. Als deren Mann kurz darauf verschwindet, gibt es Gründe, dahinter ein Verbrechen zu vermuten. Eine der Spuren führt ausgerechnet zu Arto Haaleajärvi.
Der Journalist und Möchtegern-Schriftsteller Arto erwähnt Jahrzehnte später ein Geheimnis im Zusammenhang mit seiner verstorbenen Frau Marja, Iras Mutter, bei dem es um einen Mord geht. In einem Rückblick erzählt er, dass er Kerttu Leppänens Journalist des Vertrauens war, die sich im Rahmen diverser Ermittlungen immer wieder mit ihm ausgetauscht hatte. Bei Kerttus Beerdigung händigt ihm plötzlich einer ihrer früheren Kollegen einen Umschlag mit einem Foto von einer fast vergessenen Person aus – einem Mann, dessen Ermordung von vor vielen Jahren bis heute nicht aufgeklärt werden konnte. Wieso hatte dieser ungelöste Fall Kerttu in all den Jahren nicht losgelassen?
Ira erhält einen unbekannten Anruf in Bezug auf ihre Mutter. Sie findet eine alte Postkarte von Marja mit einem erschütternden Satz auf der Rückseite. Die Mutter musste vor irgendetwas Angst gehabt haben. Arto und Ira sind nun zunehmend bemüht, der Vergangenheit von Marja auf den Grund zu gehen. Sie war Miss Finnland und erfolgreiche Schriftstellerin – berühmt, aber auch umstritten. In einem von Marja geschriebenen Roman findet Ira eine Passage, in der steht, dass niemand etwas wisse, außer "der guten alten Kerttu". Ob es sich um DIE Kerttu handelte? Arto zeigt Ira einen Zeitungsbeitrag, in dem von einer Schwindelei seitens ihrer Mutter die Rede ist. Worum geht es dabei und wie hängt alles mit den unaufgeklärten Fällen zusammen, deren Beweismittel Kerttu nach ihrem Tod Arto vererbt hat, damit er die Untersuchungen fortsetzt?
Auch wenn man nach den ersten beiden Büchern einen leichten Spannungsabfall beobachten mag, ist es Martta Kaukonen abermals gelungen, die Leser durch das kontrolliert häppchenweise Herausgeben von Informationen bis zum Schluss der Lektüre zu überraschen. Die abschließenden Erkenntnisse und Ereignisse hat mal wieder niemand erwartet.
Weitere besprochene Titel zu Martta Kaukonen:
- Therapiert ('Ira'-Trilogie Bd. 1)
- Traumatisiert ('Ira'-Trilogie Bd. 2)