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Aki Kaurismäki : Der Mann ohne Vergangenheit

finn. Originaltitel: "Mies vailla menneisyyttä"
engl. Titel: "The man without a past"

Spielfilm
Finnland (2002)
Dauer: 93 Minuten


Inhalt  /  Darsteller  /  Stab  /  Musik

Inhalt
(von Frank Rehag)

Ein Mann wird in Helsinki nach einer Zugfahrt von drei brutalen Schlägern niedergeprügelt und ausgeraubt. Im Krankenhaus erklären ihn die Ärzte bereits für tot, doch er erwacht und findet sich am nächsten Tag am Rande eines Hafenbeckens wieder. Zwei Jungen aus einer nahe gelegenen Containersiedlung entdecken den Fremden. Die Eltern der Jungen, der Nachtwächter Nieminen und seine Frau Kaisa, nehmen den Fremden auf und bieten ihm vorübergehend Unterkunft, bis dass eine Bleibe für ihn gefunden ist. Nieminens Versuche, dem Gedächtnis seines Gastes auf die Sprünge zu helfen, sind wenig fruchtbar. Die Amnesie hat alle Erinnerungen verdrängt. Eine Einladung von Nieminen zum Essen führt die beiden Männer zur Essensausgabe der Heilsarmee, wo sich der Unbekannte und die Heilsarmistin Irma zum ersten Mal über den Weg laufen und einen längeren Blick austauschen. Immerhin macht die Suche nach einer Bleibe Fortschritte: vom Schrottplatzwächter Anttila erhält der unbekannte Mann einen alten Container, in dem er sich mit wenigen Möbeln und einer Jukebox häuslich einrichtet und Kartoffeln vor der Tür anpflanzt. Ein zweites Zusammentreffen zwischen Irma und dem Mann verläuft wenig verheißungsvoll, unter anderem hält sie ihm sein lausiges Erscheinungsbild vor. Irma kleidet ihn in der Kleiderkammer der Heilsarmee neu ein und verschafft ihm dort einen Aushilfsjob. Er begleitet sie abends nach Hause und gibt ihr einen ersten kurzen Wangenkuss. Wenige Tage später kocht der Verliebte für Irma in seiner Containerbehausung. Nach dem Essen gibt auch Irma ihre Zurückhaltung auf. Weniger erfolgreich verläuft die Arbeitssuche. Die Jobvermittlung hält ihn für einen Simulanten und weist dem Mann ohne Namen, Geburtsdatum und Sozialversicherungsnummer die Tür. Seine Vorliebe für Rhythm & Blues und Rock’n’Roll bringt ihn auf die Idee, das Repertoire der Heilsarmee-Band zu erweitern. Er kann die Musiker schnell für die neuen Rhythmen begeistern. Die Chefin willigt ein und will sogar als Sängerin mitwirken. Erste Auftritte werden organisiert und der Mann vermutet, eventuell Musikmanager sein zu können. Als er eines Tages Hafenarbeiter beim Schweißen zusieht, erinnert er sich dunkel an seinen erlernten Beruf und greift selbst zum Schweißgerät. Dem Fachmann wird sofort ein Job angeboten. Doch benötigt er zumindest ein Bankkonto für die Lohnauszahlung. Als er das ihm empfohlene Nummernkonto eröffnen möchte, überfällt ein unmaskierter Mann die Bank und sperrt den Mann zusammen mit der einzigen Angestellten im Tresorraum ein. Nach ihrer Befreiung bekommt der Namenlose bei der Polizei Schwierigkeiten wegen seiner unbekannten Identität und die Polizei will ihn bis zur Klärung festhalten. Allerdings sorgt ein findiger Anwalt der Heilsarmee dafür, dass er wieder auf freien Fuß gesetzt wird. Mit einem Foto des Unbekannten sucht die Polizei landesweit nach Hinweisen und hat schließlich Erfolg. Der Mann ist verheiratet, wohnt in Nurmes und ist Schweißer von Beruf. Aber warum hat seine Frau nie eine Vermisstenanzeige aufgegeben? Muss der Identifizierte nun seine neue Liebe Irma verlassen und in sein altes Leben zurückkehren, an das er sich immer noch nicht erinnern kann? Er fährt nach Nurmes und stellt fest, dass sein altes Leben wirklich Vergangenheit ist, seine Ehe ist rechtskräftig geschieden und der neue Mann seiner ehemaligen Frau ist bereits bei ihr eingezogen. Nun kann sein neues Leben beginnen.
Der Mann ohne Vergangenheit ist der zweite Teil von Kaurismäkis Finnland-Trilogie - inoffiziell auch despektierlich "Trilogie der Verlierer" genannt -, in dem das Thema Obdachlosigkeit prägend ist. Erstaunlich ist die Schlägerszene zu Beginn: eigentlich ist es untypisch für Aki Kaurismäki, dass eine solche Sequenz so ausdauernd gezeigt wird. Normalerweise blendet die Kamera weg und lässt Prügeleien immer nur erahnen. Aber vielleicht ist es auch gerade das, was Kaurismäki ausmacht: nach dem schwarzweißen Stummfilm Juha etwas völlig anderes zu machen. So gibt es hier eine Menge Dialoge und eine Vielzahl Farben, vielleicht ein modernes Märchen. Dieser Film wurde als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert. Weiterhin gab es den finnischen Filmpreis Jussi in sechs Kategorien: bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, beste Kamera, bester Schnitt, beste Hauptdarstellerin (Kati Outinen). Des Weiteren wurde der Film mit dem Großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes im Jahr 2002 ausgezeichnet, ebenfalls in Cannes wurde Kati Outinen als beste Darstellerin geehrt. Ähnlich wie bei Wolken ziehen vorüber gibt es auch hier eine Szene, in der Aki Kaurismäki seinem langjährigen Begleiter und Freund Matti Pellonpää gedenkt. Als der Mann in einer Bar erneut auf den Bankräuber trifft, hängt im Hintergrund ein Porträt Pellonpääs an der Wand.

Darsteller

  • Markku Peltola (Mann)
  • Kati Outinen (Irma)
  • Juhani Niemelä (Nieminen)
  • Kaija Pakarinen (Nieminens Frau)
  • Sakari Kuosmanen (Anttila)
  • Annikki Tähti (Leiterin der Heilsarmee)
  • Anneli Sauli (Imbissbesitzerin)
  • Elina Salo (Büroangestellte bei der Werft)
  • Outi Mäenpää (Bankangestellte)
  • Esko Nikkari (Bankräuber)
  • Pertti Sveholm (Kriminalkommissar)
  • Matti Wuori (Rechtsanwalt)
  • Aino Seppo (Exfrau des Mannes)
  • Janne Hyytiäinen (Ovaskainen, neuer Partner der Exfrau)
  • Antti Reini (Elektriker)
  • Tähti (Hannibal)
  • Marko Haavisto & Jukka Teerisaari & Jyrki Telilä & Jouni Saario (Heilsarmee-Band)
  • Risto Korhonen & Panu Vauhkonen & Tom Wahlroos (brutale Schläger)
  • Vesa Mäkelä (Aufsicht in der Herrentoilette)
  • Aarre Karen (Arzt)
  • Eeva-Liisa Haimelin (Krankenschwester)
  • Kalevi Heinämaa (Stiefeldieb)
  • Anton Peltola & Joona Karastie (Nieminens Kinder)
  • Jouni Marjaranta (Akkordeonspieler in der Containersiedlung)
  • Tuire Tuomisto (Mädchen bei der Heilsarmee)
  • Vappu Lysti & Ritva Harteva & Raija Lähteinen & Eeva Penttinen (Chor der Heilsarmee)
  • Peter von Bagh & Matti Oinonen & Aarno Kuussalo & Aarre Ritola (Offiziere der Heilsarmee)
  • Eira Ritvanen (Bedienung in der Bar)
  • Anja Angel & Pentti Kirstilä (Obdachlose im Hauseingang)
  • Olli Varja (Betrunkener)
  • Keijo Nyrhinen (Mann im Müllcontainer)
  • Liisa Kuoppamäki (Angestellte beim Arbeitsamt)
  • Sulevi Peltola (Leiter beim Arbeitsamt)
  • Erkki Lahti (Lindström)
  • Markku Pätilä (Jokinen)
  • Helka Viljanen (Koch in der Bar)
  • Eero Nykänen & Erkki Puskala (Vorarbeiter bei der Werft)
  • Henry Astikainen (Schweißer bei der Werft)
  • Silu Seppälä (Krawallmacher)
  • Juha Springare & Jukka Salmi & Aki Hirvensalo & Pasi Kokkoniemi & Mika Roiha (Polizisten)
  • Andrei Tchernousov & Matti Nylund (Mechaniker)
  • Jouni Kortesato & Timo Linnasalo & Heikki Mattila (Männer im Restaurant)
  • Hanna Jokinen (Köchin)
  • Toni Salminen (Zugkellner)
  • Pentti Auer & Olavi Tuomi (leitende Beamte)

Stab

  • Aki Kaurismäki (Regie, Produktion, Drehbuch, Schnitt)
  • Timo Salminen (Kamera)
  • Jouko Lumme & Tero Malmberg (Ton)
  • Ilkka Mertsola (Produktionsleitung)
  • Markku Pätilä (Ausstattung)
  • Nadja Delcos (Maske)
  • Outi Harjupatana (Kostüme)
  • Olli  Varja (Beleuchtung)

Musik

  • Antero Jakoila: "Bandoneon"
  • Oulun Kaupunginorkesteri: "Sinfonie Nr. 3 A-Dur op. 55" von Leevi Madetoja
  • Markus Allan: "Valkoiset linnut"
  • Matti Rantanen: "Kansanlaulu"
  • Chor der Heilsarmee & Poutahaukat: "Mä ystävän löysin"
  • Antero Jakoila: "Serena"
  • The Renegades: "Do the shake"
  • Masao Onose: "Motto Wasabi"
  • Blind Lemon Jefferson: "That crawlin’ baby blues"
  • Tapio Rautavaara: "Älä unhoita minua"
  • The Renegades: "My heart must do crying"
  • Antero Jakoila: "Veto"
  • Marko Haavisto & Poutahaukat: "On jumalan lähteessä vettä"
  • Annikki Tähti & Poutahaukat: "Pieni sydän"
  • Marko Haavisto & Poutahaukat: "Paha vaanii"
  • Tapio Rautavaara: "Lokki"
  • Antero Jakoila: "Su cara"
  • Jousikvartetti Sputnik: "Via vitae"
  • Crazy Ken Band: "Hawaii no yoru"
  • Annikki Tähti & Poutahaukat: "Muistatko monrepos’n"
  • Marko Haavisto & Poutahaukat: "Stay"
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