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Marjaleena Lembcke : Der Gänsegeneral

Buchbesprechung von Birgit Arnold, September 2008

dt. Erstausgabe: 2008 - Hinstorff Verlag, Rostock
illustriert von Heike Ellermann
Es war einmal ein hoch geachteter und mit allen militärischen Ehren bedachter General. Während des Krieges war er einer derjenigen, die entschieden, wo und wann der Feind bekämpft wurde. Seine Familie, seine Freunde, Politiker - sie alle waren stolz auf ihn. Als plötzlich der Krieg zu Ende ist, verändert sich sein Leben radikal. Allen geht es schlecht, den Siegern und den Geschlagenen. Aber einhellig sind sie der Meinung: Es ist besser, dass der Krieg beendet ist. So geht man der Arbeit nach, besucht wieder die Schule, baut die zerbombten Häuser wieder auf. Für den General beginnt ebenfalls ein neuer Lebensabschnitt, als er zum Kommandeur der Streitkräfte ernannt wird. Eines Tages verspürt er einen stechenden Schmerz im Kopf und wird ohnmächtig. Als er im Krankenhaus wieder aufwacht, teilt ihm der Chefarzt mit, dass er einen Schlaganfall erlitten hat. Er erwidert lakonisch: "Na und! Ich bin schon häufiger geschlagen worden!" Für strategische Fragen des Verteidigungsministers zeigt er keinerlei Interesse. Seine Familie und die Ärzte reagieren irritiert, denn die plötzliche Veränderung versteht niemand. Er ist einfach nur müde und schläft sehr lange. Während des langen Schlafes träumt er jede Menge hässliche Dinge, aber auch schöne Momente kommen in seinen Träumen vor. Diese Gedanken stimmen ihn traurig und nachdenklich. Wieder zu Hause beginnt er ein völlig neues Leben. Er zieht mit seiner Frau aufs Land aber auch in der ländlichen Idylle erwachen seine Lebensgeister nicht, da helfen auch die von seiner Frau gebratenen Bratkartoffeln und die gekauften Hühner nicht. Seine Frau ist diejenige, die den rettenden Einfall hat, als sie merkt was ihrem Mann fehlt: Sie kauft ihm eine siebenköpfige Gänseschar...
Der General bleibt in den großartigen Illustrationen von Heike Ellermann eine unscharfe Silhouette. Seine gesamte Erscheinung besteht auch nach der radikalen Veränderung in seinem Leben aus Uniform und Orden. Überhaupt bestehen die Illustrationen eigentlich aus zahlreichen Collagen. Zu Beginn bevölkern unzählige kleine Soldatenfiguren die Szenerie. Klar und deutlich sind diese nach roten und blauen Figuren getrennt. Als der Krieg zu Ende ist, verändert sich die Landschaft, es werden Bilder aus der Nachkriegszeit gezeigt. Die blauen und roten Kämpfer tauchen nur noch vereinzelt auf. Die zwei unterschiedlichen Leben und die damit verbundene Zerrissenheit des Generals werden auch für Kinder mittels Bildfragmenten plausibel gezeigt. Der Gänsegeneral ist keine typische Antikriegsgeschichte, wie man vielleicht zuerst denkt. Hier wird nicht der moralische Zeigefinger mit der Parole "Nie wieder Krieg" erhoben. Bewundernswert, wie präzise, aber doch kindgerecht Marjaleena Lembcke das schwierige Thema Krieg verarbeitet hat. Offen bleibt, wie es zum Sinneswandel beim General kommt. Ist er krankhaft bedingt oder handelt der General aus Überzeugung? Am Ende zeigt er sich als alter Mann, der sein verlorenes inneres Kindsein und die pure Lebensfreude wiedergefunden hat. Ein wunderbares und überraschendes Bilderbuch für Kinder ab fünf Jahren, das zu Recht mehrfach ausgezeichnet ist.
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