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Marjaleena Lembcke : Die Füchse von Andorra

Buchbesprechung von Dorothea Bartels, Dezember 2010

dt. Erstausgabe: 2010 - Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag, München
Die zehnjährige Sophie befürchtet, dass es an ihr und ihren drei Geschwistern liegt, dass ihre Mutter immer so müde und so oft traurig ist. Jonathan, Felix, Frederike und Sophie sind Vierlinge, die mit ihren Eltern in der Nähe von Münster leben. Eigentlich geht es der Familie gut, nur hat sie nicht so viel Geld wie andere. Dafür macht der Vater mit den Kindern oft die schönsten Phantasiereisen - durch seine Erzählungen haben sie schon mehr über andere Länder erfahren als die Kinder, die tatsächlich dort gewesen sind. Vater lacht gerne und möchte vor allem, dass alle seine vier Kinder glücklich aufwachsen. Dabei wären sie fast gar nicht erst geboren worden, denn ihre Mutter hatte sich nach einer langen, ungewollt kinderlosen Zeit für Katzen entschieden: "Am liebsten möchte ich vier Kätzchen!", sagte sie. - "Dann geschah plötzlich das Wunder. Vierfach." Sophie wird als Älteste geboren, fünf Minuten später folgt ihr Felix, zwei Minuten später Jonathan, und zwanzig Minuten danach kommt die kleine Frederike auf die Welt. Inzwischen ist Jonathan der Größte von den vier Kindern. Er kennt sich gut mit Zahlen aus, denkt gerne und löst schwierige Aufgaben. Felix dagegen ist der Dickste von allen Vieren. Er liebt sein Essen und teilt es mit niemandem, aber sonst ist er ein großzügiger Mensch, der allen gerne etwas abgibt, wenn sie ihn darum bitten. Frederike, die Kleinste, macht den Eindruck, als sei sie nicht nur 27 Minuten, sondern ein paar Jahre nach Sophie geboren worden. Sie ist sehr schüchtern, spricht leise, wirft auch manchmal die Worte ein wenig durcheinander und macht nie das, was man von ihr erwartet. Andererseits versteht sie, dass die Tränen Namen brauchen. Sophie dagegen ist als Älteste auch die Vernünftigste. "Auf Dich kann ich mich immer verlassen!" Sophie ist sich nicht sicher, ob dieser Satz ihrer Mutter wirklich ein Kompliment ist. Ihre Mutter gibt anderen Kindern Nachhilfeunterricht in Englisch, Vater verdient sein Geld als Taxifahrer. Ab und zu bekommt die Familie Besuch von Mutters älterer Schwester, Tante Paula, die als Psychiaterin im Krankenhaus arbeitet und immer viele Geschenke für alle Kinder mitbringt - so schöne Dinge, wie die Eltern sie sich für ihre Kinder nicht leisten können. - Nach den Sommerferien sollen alle vier Geschwister auf neue Schulen kommen: Sophie und Jonathan werden das Gymnasium besuchen, Felix kommt auf die Realschule, und Frederike wird in die Hauptschule gehen. Obwohl Sophie ihre große Familie hat, fühlt sie sich manchmal alleine und wünscht sich eine Freundin: Alice aus ihrer bisherigen Klasse, die sie für ihren Mut und ihr Gerechtigkeitsempfinden bewundert. Doch Alice beachtet Sophie meistens gar nicht. Als Sophie jedoch Alice zufällig im Wildpark trifft, kommen sich beide Mädchen ein wenig näher. Obwohl Alice in einem großen, schönen Haus lebt, lädt sie Sophie nie zu sich ein. - Zu Hause schnappen die Kinder ein Gespräch zwischen Vater und seinem Freund Nils über die Füchse von Andorra auf. Sie hoffen, dass die Familienreise nach Andorra gehen soll und suchen im Internet nach weiteren Informationen, doch über Andorra wird in der Familie danach nicht mehr gesprochen. Tastsächlich starten sie gemeinsam mit Tante Paula in den Sommerurlaub nach Finnland. Die Kinder erleben unbeschwerte Sommerferien mit ihren finnischen Gastgeberkindern, aber obwohl alle gehofft hatten, dass sich auch Mutter in diesem Urlaub gut erholen würde - sie nimmt inzwischen Tabletten, ist auch nicht mehr so müde - fängt sie wieder an zu weinen. Zurück zu Hause ist sie erschöpft und schweigsam, liegt immer öfter im Bett, geht nicht mehr ans Telefon und lässt auch die Nachhilfeschüler wieder wegschicken. "Sie ist so weit weg wie eine der großen Inseln auf dem See in Finnland".
Marjaleena Lembcke beschreibt in diesem Buch aus der Sicht eines Kindes, wie eine schwere Depression eines Familienmitgliedes sich auf das ganze Familiengefüge auswirkt. In ihrem ruhigen und liebevoll beobachtenden Erzählstil vermeidet sie dramatische Szenen, lässt aber die Ratlosigkeit der Kinder und ihr Nicht-Begreifen-Können der schweren Erkrankung spürbar werden. Schön, gerade in einem Kinderbuch, ist der hoffnungsvolle Ausblick auf Gesundung der Mutter mithilfe einer fundierten Kombinationstherapie, und das tröstliche Entdecken des Mädchens Sophie, dass es mit diesem Erlebten nicht alleine ist.
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