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Leena Lander : Die Unbeugsame

Buchbesprechung von Dorothea Bartels, März 2010

dt. Erstausgabe: 2006 - btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House, München
finn. Originalausgabe: 2003 - Werner Söderström Osakeyhtiö, Helsinki
Titel der finnischsprachigen Originalausgabe: "Käsky"
aus dem Finnischen von Angela Plöger
Der Finnische Bürgerkrieg ist beendet - die weißen Truppen der Bürgerlichen haben mit Unterstützung der Deutschen die Revolution der Roten niedergeschlagen, die nach der Loslösung Finnlands von Russland einen von der Arbeiterschaft geführten Staat erkämpfen wollten. "Sie" ist am Anfang des Buches nur "die Frau", ein rotes Nichts, an der die Sieger ihre Macht- und Vergewaltigungsphantasien ausleben. "Sie" wird von dem aus Deutschland abkommandierten 'weißen' Jäger Aaro Harjula in das Gefangenenlager Ruukkijoki gebracht, damit sie dort von dem als Kriegsrichter eingesetzten sensiblen Schriftsteller Emil Hallenberg einen fairen Prozess bekommt. Der Jäger weiß nicht, wie hartherzig, kalt und menschenverachtend der geachtete Hallenberg als Richter mit dem Leben seiner Gefangenen umgeht und dass das Leben eines Menschen im Gefangenenlager überhaupt nichts mehr wert ist. Hallenberg freut sich, in Aaro Harjula einen neuen Gesprächspartner - und vor allem Mittrinker bekommen zu haben, und nötigt seinen Gast immer wieder vergebens, auf dem Klavier zu spielen. Ebenfalls ohne Erfolg versucht Richter Hallenberg, seiner Gefangenen Informationen über ihr Leben zu entlocken. Erst als der verwirrte Konsta mit seiner Balgkamera im Verhörraum auftaucht, wirkt "Sie" plötzlich wach und spricht mit dem ihr fremden Mann über dessen Kamera. Nach über einem Zehntel des Buches erfährt der Leser endlich ihren Namen: Miina Malin, den sie Hallenberg gegenüber nur im Tausch gegen eine warme Mahlzeit preisgibt. Die kommenden Seiten des Buches ziehen sich mit ihren langatmigen Beschreibungen wie das ergebnislose Verhör, das Hallenberg immer wieder mit Miina veranstaltet - es scheint sich lange Zeit kein richtiger Erzählstrang entwickeln zu wollen. Scheinbar wahllos werden Begebenheiten beschrieben und aufgezählt, der Leser erfährt beispielsweise, dass Miina bei einem Fotografen ausgebildet wurde, der sie als junges Mädchen unter seine Fittiche nahm, den sie aber aus politischen Gründen verlassen musste. Die Rezensentin wartet lange Zeit darauf, einen Zusammenhang zwischen all den gelesenen Ausführungen zu entdecken. Erst nach einem guten Drittel des Buches beginnt die Retrospektive aus Miinas Sicht und enthüllt zunächst ganz allmählich die Ereignisse seit ihrer Gefangennahme, beschreibt die eine Woche, die sie, allein mit Aaro Harjula auf dem Weg ins Gefangenenlager, auf einer Steininsel zubringt, und ihren zunächst tödlichen Hass auf den Jäger Aaro, der sie ins Lager bringt, wie sich die Atmosphäre zwischen ihnen vollkommen wandelt und warum Aaro nie wieder Klavier spielte. Aaro Harjula ist es schließlich auch, der den Richter Emil Hallenberg dazu bringt, Miina die Flucht aus dem Gefangenenlager zu ermöglichen. In dem Wissen, dass Aaro Miina schon einmal verschont hat, gibt er Aaro den Befehl, die Gefangene zu erschießen. Aaro, der inzwischen eine tiefe Liebe zu Miina empfindet, aber aus Loyalität zu Hallenberg noch nicht mit ihr das Gefangenenlager verlassen kann, verabschiedet sich von ihr mit den Worten: Ich werde Dich finden! Auch Konstas geplante Ausstellung seiner Kriegsfotografien macht Hoffnung auf eine gewisse Gerechtigkeit nach so viel durchlebtem Leid. Nach all den im Buch beschriebenen seelischen und körperlichen Brutalitäten endet die Erzählung mit einem optimistischen Ausblick auf die Zukunft: Ein Kind legt seine Hand in Miinas Hand und fragt: "Sind Sie meine Mutter?"
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