Literatur Matti Rönkä - Zeit des Verrats (Buchrezension von Frank Rehag, Februar 2013) Wie schon bei den bisherigen Veröffentlichungen verliert sich Matti Rönkä mit seiner Hauptfigur Viktor Kärppä nicht im oftmals üblichen Krimieinerlei mit langatmig erzählter Kommissariatsarbeit von zum Teil depressiven und mit Eheproblemen kämpfenden Kommissaren. Eher ist Zeit des Verrats denn auch im Genre der Politkrimis anzusiedeln. Während einer Geschäftsreise durch den russischen Teil Kareliens, seiner ursprünglichen Heimat, trifft Viktor Kärppä zufällig auf Arseni Kasimirow, der sich inzwischen Wronskij nennt. Diesen kennt er noch von einer Spezialausbildung bei der sowjetischen Armee. Nach einem gemeinsamen feucht-fröhlichen Saunaabend und der Rückkehr nach Helsinki entdeckt Kärppä, dass jemand vier Metallröhren in seinem Auto deponiert hat. Kärppä ahnt, dass Wronskij dahinter steckt und die Röhren entweder mit radioaktivem Material gefüllt oder zum Bau einer Bombe gedacht sind. Ausgerechnet jetzt geht die staatliche Sicherheitspolizei Supo Hinweisen nach, denen zufolge ein Attentat beim bevorstehenden Staatsbesuch des amtierenden russischen Präsidenten verübt werden soll. Sowohl die Supo als auch Kriminalhauptmeister Teppo Korhonen von der Helsinkier Kripo richten nach wie vor ein Auge auf Kärppä. Zwar führt er seinen Baustoffhandel inzwischen völlig legal, doch aufgrund seiner Vergangen- heit in der Grauzone des Erlaubten und seinen Kontakten zu zwielichtigen Geschäftsleuten nach Russland bleibt er ein ewig Verdächtiger. Die Situation wird nicht angenehmer, als jemand auf der Suche nach den Metallröhren in Kärppäs Haus eindringt. Ihm schwant, dass er in großen Schwierigkeiten steckt. Er wird verdächtigt, eine gegen die Interessen Finnlands gerichtete Tätigkeit zu planen und die Sicherheit des Landes zu gefährden. Er muss handeln und die Drahtzieher ausfindig machen, die ihm den Ärger eingebrockt haben. Wieder einmal ist Matti Rönkä eine großartige Geschichte um seinen mit allen Wassern gewaschenen Hauptprotagonisten gelungen, der laut Gutachten aus den Zeiten seiner Spezialausbildung fähig ist, unter extremstem Druck zu handeln und seine Leistung zu steigern. Rönkä schreibt mit der nötigen gebotenen Härte, wie sie Viktor Kärppä angemessen ist, bringt aber auch einigen Wortwitz mit in seine Romane ein. Zudem lässt er diesmal auch am Rande mit dem Verhältnis zwischen Finnen und Russen ein aktuelles sozialkritisches Thema mit einfließen. Sehr empfehlenswert! dt. Erstausgabe: 2012 - Bastei Lübbe, Köln fin. Originalausgabe Tuliaiset Moskovasta: 2009 - Gummerus Kustannus Oy, Helsinki aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara