Literatur Miika Nousiainen - Verrückt nach Schweden (Buchrezension von Bettina Dauch, Juni 2019) Mikko ist Anfang Dreißig und gebürtiger Finne, wollte aber schon immer lieber Schwede sein. Bereits als Kind hat er für das sozialdemokratische Nachbarland geschwärmt, in dem einfach alles besser und schöner als in Finnland ist: Fruchtgummi, Schneeflocken, Fahrradklingeln und natürlich der ganze Menschenschlag, die Mentalität, der Erziehungsstil, die Sprache, die Architektur, die Politiker, die Manieren, der Lebensstil, die Diskussionskultur, der Schnaps, die Fernsehsendungen, das Bordpersonal, die Filme - sogar das Blau im Göteborger Wappen wirkt ehrlicher und tiefer als jenes der finnischen Flagge. Nur die Qualität der finnischen Pförtner dürfte unschlagbar sein. Ansonsten hasst er in Finnland fast alles, auch seine Wohnung, die Nachbarn, die Nachrichten und den TV-Wettermoderator, der immer genau so vor der Wetterkarte steht, dass er Schweden verdeckt. Seine Urlaube verbringt Mikko seit Jahrzehnten ausschließlich in Schweden, einzige Ausnahme sind die typisch schwedischen Winterurlaube in Thailand, bei denen er sich prinzipiell unter seine Wunsch-Landsleute mischt. Seit Jahren bemüht er sich vergeblich um die schwedische Staatsbürgerschaft, doch eigentlich möchte er sowieso am liebsten ein richtiger, gebürtiger Schwede sein. Eine Runde Probeleben als echter Schwede will er an Weihnachten mit Hilfe gestohlener Haustürschlüssel und einer arbeitslosen Schauspielerin samt Kindern veranstalten. Der Plan geht nur zur Hälfte auf, doch während er seinen Frust in einer Bar herunterspülen will, läuft ihm ein lebensmüder schwedischer Mann namens Mikael quasi in die Arme. Der arbeitslose Lehrer hat mehrere missglückte Suizidversuche hinter sich, und nachdem sich die beiden gegenseitig das Herz ausgeschüttet haben, reift in Mikko eine gruselige Idee: Könnten sich die beiden etwa gegenseitig unter die Arme greifen? Der finnische Möchtegern-Schwede scheut keine Mühen und schafft es schließlich, sich eine neue Identität als Göteborger zu ermogeln. Doch kaum hat er den ersehnten schwedischen Pass, das schwedische Wahlrecht und sogar eine schwedische Frau, gerät er von einer Schwierigkeit in die andere. Um sein Wunschleben zu verteidigen und nicht aufzufliegen, geht er über Leichen. Doch die Hindernisse häufen sich. Und in der Politik seiner neuen Heimat dreht sich der Wind. Das Ende der Geschichte ist mehr oder weniger vorhersehbar... Die deutsche Übersetzung von Elina Kritzokat liest sich witzig, der Lesefluss wird nur leider einige Male durch keineswegs zum ansonsten vorzüglichen Stil passende Sprachverunstaltungen wie “Studierende” oder “geschockt” gestört. Umso gelungener ist der deutsche Buchtitel, der wie so oft nichts mit dem Originaltitel gemeinsam hat: Verrückt nach Schweden  trifft den Inhalt des Romans perfekt, während deutschsprachige Leser mit “Himbeerbootflüchtling” wohl eher wenig anfangen könnten. Insgesamt ist das Buch eine gelungene Komödie, die quasi sämtliche Klischees über Finnen und Schweden auf die Spitze treibt und vor allem für Freunde und Kenner der nordischen Länder wärmstens zu empfehlen ist. dt. Erstausgabe: 2019 - Nagel & Kimche in der MG Medien Verlags GmbH, München fin. Originalausgabe Vadelmavenepakolainen: 2007 - Otava, Helsinki aus dem Finnischen von Elina Kritzokat