Literatur Roope Lipasti - Sauna mit Nachbar (Buchrezension von Bettina Dauch, August 2017) Ein verwitweter 50-jähriger Geschichtslehrer verbringt die langen Sommerferien allein in seinem Haus und vertreibt sich die Zeit damit, seinen chaotischen Nachbarn und dessen schöne Gattin zu beobachten. Er selbst ist ordnungsfanatisch, perfektionistisch und stolz darauf; lebt allein und liest gerne Leitartikel und Todesanzeigen; besitzt einen kleinen Garten, legt Wert auf seinen gepflegten Hof und zeigt ihn gerne; hat sein Haus mit IKEA-Möbeln eingerichtet; sammelt Briefmarken und steht auf die Nachbarsfrau; handelt meist überlegt und mit Besonnenheit; hat auf alles eine Antwort. Der Nachbar ist chaotisch, verheiratet und Vater von sechs Kindern; klaut Müll und hortet alle möglichen Kuriositäten auf seinem ungepflegten Hof; baut eine Sauna mit Teich und ‘salmiakförmigem’ Fenster; zweifelt trotz bescheidener handwerklicher Begabung nie an sich; findet ein enges Verhältnis zur Natur wichtig und hält seine eigenen Kinder und deren ganze Generation für verweichlicht; fühlt sich bei körperlicher Arbeit am wohlsten und hält sich lieber an die Gepflogenheiten von früher; stellt gerne Hochrechnungen an, beispielsweise zum Jahresgesamtmilchkonsum seiner 8-köpfigen Familie; handelt meist eher impulsiv; hat auf alles eine Antwort. Als sich der Nachbar anschickt, eine Hofsauna nebst Teich zu bauen, beschließt der Lehrer, sich die Sache aus der Nähe anzusehen. Er hält nicht gerade viel von dem völlig unorganisierten Nachbarn mit den vielen Kindern und beglückt diesen regelmäßig mit klugen Ratschlägen. Der etwas ungeschickte Heimwerker lässt sich jedoch kaum von den Anmerkungen des Pädagogen beirren und bleibt stur bei seiner eigenen Vorgehensweise, während er seine verqueren Gedankengänge wie den geplanten Bau einer Arche gegen den Klimawandel zum Besten gibt. Dass sich der Lehrer trotzdem mit ihm abgibt, liegt zum einen daran, dass er in den Ferien Zeit hat, und zum anderen an der Tatsache, dass er auf die Nachbarsfrau ein Auge geworfen hat. Eines Nachts besprüht der sonst so besonnene Schulmeister aus einer merkwürdigen Laune heraus die aufgestapelten Baumstämme des Nachbarn mit einer Farbaufschrift und stiehlt sich davon wie ein Schuljunge. Er ahnt nicht, wie sich seine Tat auf den Nachbarhaussegen auswirkt. Als der Saunabauer sich durch ein Missgeschick verletzt, das ihn zu einem Krankenhausaufenthalt zwingt, versucht der Lehrer, sich der unzufriedenen Ehefrau anzunähern, wobei ihm selbst das eine oder andere Missgeschickt unterläuft. Der Roman ist unterhaltsam geschrieben, voller kurioser Metaphern und philosophischer Spitzfindigkeiten à la “Moos ist eine leichtere Beute als ein Elch”, die von Regine Pirschel einwandfrei ins Deutsche übertragen wurden. Freunde des finnischen Humors sollten sich diese Lektüre nicht entgehen lassen! dt. Erstausgabe: 2017 - Heyne Verlag innerhalb der Verlagsgruppe Random House, München fin. Originalausgabe Rajanaapuri: 2012 - Atena, Jyväskylä aus dem Finnischen von Regine Pirschel