Literatur Pentti Kirstilä (ein Autorenporträt von Frank Rehag, Januar 2008) Pentti Olavi Kirstilä wurde am 26. Mai 1948 in Turku geboren. 1967 machte er Abitur, im Jahr 1972 beendete er an der Universität Tampere sein Studium der Sozialwissenschaften. Zwischen 1969 und 1980 arbeitete er als Journalist bei der Zeitung ‘Aamulehti’, heute ist er als freier Schriftsteller und Journalist in Helsinki tätig. Kirstiläs erster Krimi Jäähyväiset rakkaimmalle, der im deutschsprachigen Raum unter dem Titel Nachtschatten herauskam, erschien 1977. Bereits in seinem ersten Kriminalroman ermittelt Kommissar Lauri Hanhivaara, der in vielen seiner Bücher die Hauptfigur darstellt. Neben Hanhivaara gibt es jedoch auch andere Hauptdarsteller in Kirstiläs Romanen, beispielsweise Kommissar Kaistila von der Drogenfahndung. Kaistila ermittelt als Hauptfigur in den Kriminalgeschichten Isku suoneen (1982) und Munthe (1984). Kirstilä beschreibt aber nicht nur typische Kriminalfälle. Mit Imelda (1992) und Elektra (1993) veröffentlichte er auch experimentelle, psychologisch angehauchte Werke. Zudem stammen aus seiner Feder die Novellensammlungen Kirkkankeltaiset jäähyväiset (1986) und Klassinen happokylpy (1990) sowie ein Kurzgeschichtenband namens Miksi natsit eivät oidä viiru pöllöistä (1994). Ebenso schrieb er fürs Radio ein Hörspiel: Oli synkkä ja syksynen yö (1987). In Zusammenarbeit mit Kyösti Kiiskinen entstand auch ein Lehrbuch über das Billardspielen (1988). Die bekannteste Romanfigur Kirstiläs ist aber der zynische, illusionslose und eigenbrötlerische Kommissar Lauri Hanhivaara von der Kripo Tampere. Die Qualität des Kommissars Hanhivaara wurde im Laufe der Jahre immer besser. Dieser begeistert den Leser mit seinem trockenen Humor, seiner spitzen Zunge sowie mit seinem scharfsinnigen Blick auf die Menschen und das Leben. Besonders bei den letzten veröffentlichten Geschichten lässt Kirstilä seine Hauptfigur mit perfekter Ironie und ausgezeichneten Dialogen glänzen. In der finnischen Kriminalliteratur gehört Kirstilä zur absoluten Spitze und er gilt schon als Klassiker. Einige seiner Romane wurden verfilmt und Kirstilä erhielt bereits zweimal den ‘Vuoden johtolanka’, einen Preis für den besten finnischen Kriminalroman. Die Auszeichnungen erhielt er in den Jahren 1987 und 1993 für seine beiden Werke Sinivalkoiset jäähyväiset und Imelda. Fünf seiner Hanhivaara-Romane sind bisher in deutscher Übersetzung veröffentlicht worden. Die Originalausgaben dieser Werke erschienen in Finnland von 1977 bis 1982. Einziger Wermutstropfen hierbei ist die Tatsache, dass erst knapp dreißig Jahre nach deren Erscheinen mit den deutschen Übersetzungen begonnen wurde. Die Geschichten spielen zu einer Zeit, als der finnische Staatspräsident noch Urho Kekkonen hieß. Auch das Privatleben des Kommissars wird nicht ausgeleuchtet, wie es in heutigen Krimis oft der Fall ist. Ebenso ist die Rasanz heutiger Kriminalromane teilweise nicht gegeben, was jedoch überhaupt nicht von Nachteil ist - meinem Geschmack nach ist das eher vorteilhaft. Wer noch kein Buch von Pentti Kirstilä in seinem Regal stehen hat, dem sei empfohlen, die Bücher in der Reihenfolge zu lesen, wie sie auch in Finnland auf den Markt kamen. Der Grund liegt darin, dass es immer wieder Textpassagen gibt, die in einem Bezug zu vorangegangenen Büchern stehen. Allerdings ist das für die Haupthandlung der einzelnen Kriminalromane nicht von Belang, eher für die Nebenhandlung und den “privaten Hanhivaara”. Man möchte hoffen, dass auch alle anderen Hanhivaara-Geschichten übersetzt den Weg in den deutschsprachigen Raum finden. Neben Hanhivaara gibt es übrigens noch eine weitere exzellente Figur: Gerichtsmediziner Vargas, der immer mal wieder mit seinem schwarzen Patholgenhumor auftaucht. Mit einem Zitat Vargas' aus dem Roman Klirrender Frost soll dieses Autorenporträt auch beendet werden: “Auf Wiedersehen. Oder wie man in unseren Kreisen sagt: Wir treffen uns auf dem Tisch.” Pentti Kirstilä (Autorenfoto: Irmeli Jung) Autorenfoto: Irmeli Jung