Literatur J.K. Johansson - Lauras letzte Party (Palokaski-Trilogie, Bd. 1) (Buchrezension von Frank Rehag, August 2015) Nach 20 Jahren kehrt die 37-jährige Miia Pohjavirta an ihre alte Schule in Palokaski zurück, nachdem sie sich erfolgreich auf die Stelle der Sonderpädagogin beworben hat und diese zum neuen Schuljahr antritt. In den Jahren zuvor arbeitete sie bei der Polizei Helsinki in der von ihr begründeten Einheit für Ermittlung in sozialen Netzwerken. Dabei erreichte sie einen gewissen Bekanntheitsgrad und ihre pädagogischen Tipps im Umgang mit dem Internet erreichten Tausende finnische Familien mit Kindern und Jugendlichen. Die immer ausgeprägter werdende Sucht nach dem Internet und Schwierigkeiten, das Privatleben vor Angriffen zu schützen, ließen sie jedoch die Arbeit bei der Polizei beenden und den beruflichen Neustart wagen. Der Beginn des Schuljahres verläuft allerdings alles andere als verheißungsvoll, denn die 16- jährige Schülerin Laura Anderson wird vermisst. Lauras Eltern richten eine Facebook-Seite ein, woraufhin die abstrusesten Hinweise, anonym ausgespuckte Urteile, Anklagen und Mutmaßungen zu Lauras Aufenthaltsort ins Netz gestellt werden. Miias Bruder Niklas “Nikke” Pohjavirta, der als Schulpsychologe an derselben Schule arbeitet, gerät aufgrund von Anschuldigungen in Internetdiskussionen in den Kreis der Verdächtigen, die etwas mit Lauras Verschwinden zu tun haben könnten. Der Ehrgeiz bei Miia ist geweckt, sie will die Unschuld ihres Bruders beweisen und Kommissar Korhonen, den sie aus ihrer Zeit bei der Polizei gut kennt, mit ihren zur Verfügung stehenden Möglichkeiten unterstützen. Außerdem wird Miia an ihre eigene Vergangenheit erinnert, denn ihre ältere Schwester Venla verschwand vor 20 Jahren ebenso spurlos und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Ein ähnliches Ereignis ist jetzt nicht auszuschließen. Dann wird Laura tot aufgefunden. Verdächtig und rätselhaft verhalten sich gleich mehrere Personen in diesem ersten Teil der Palokaski-Trilogie: Miias Männerbekanntschaft Antti, die Unternehmerin Tiina Ojantaus mitsamt ihrer gesamten Familie, aber auch Nikke und seine Frau Suski, die gleichzeitig Miias beste Freundin ist. Das Ehepaar versuchte bislang vergeblich, ein Kind zu bekommen, auch künstliche Befruchtungen sind fehlgeschlagen. Da bei der toten Laura ein Hormonspiegel festgestellt wird, dessen Höhe sonst nur bei Eizellenspenderinnen vorkommt, lässt das auf illegale Machenschaften schließen, zumal auch große Summen Geld im Spiel zu sein scheinen. Umtriebige Medien wie Presse und Rundfunk mit ihrer Art der Berichterstattung sowie die Möglichkeit, dass in der digitalen Welt jeder im Schutz der Anonymität hetzen, schimpfen und Hass schüren kann, beeinflussen das Geschehen und die Ermittlungen. Die Regeln der realen Welt gelten nicht mehr, normalerweise umgängliche Menschen werden an der Tastatur zum schreibenden Pöbel und Ankläger. Nach Beendigung der Lektüre von Lauras letzte Party bleiben viele Fragen offen, was in erster Linie dem Charakter des Fortsetzungsromans geschuldet ist. Schade ist, dass die Geschichte nur halbwegs in sich abgeschlossen und dem Anschein nach ohne die beiden kommenden Teile Noras zweites Gesicht und Venlas dunkles Geheimnis ein unvollständiges Puzzle ist. Das liegt sicherlich auch am Autorenkollektiv J.K. Johansson, in dem neben Autoren auch professionelle Drehbuchschreiber für Film und Fernsehen mitwirken. Nur gibt es den Unterschied, dass eine Fernsehserie in kurzen Abständen fortgeführt wird, hier aber knapp zwei bis drei Monate Wartezeit zu den jeweils nächsten Teilen der Trilogie zu überbrücken sind. Die durchaus aufgekommene Spannung schwindet in diesem Zeitraum, was der insgesamt guten und flüssig zu lesenden Geschichte nicht gerecht wird. Dennoch bleibt eine Vorfreude auf die Fortsetzung. dt. Erstausgabe: 2015 - Suhrkamp Verlag, Berlin fin. Originalausgabe Laura: 2013 - Tammi, Helsinki aus dem Finnischen von Elina Kritzokat