Literatur Tuomas Kyrö - Kunkku (Buchrezension von Bettina Dauch, August 2016) Kalle XIV. Penttinen, genannt Kunkku, wird 1947 als Thronfolger im finnischen Königsschloss in Vantaa geboren. Im selben Jahr findet die atomare Zerstörung Stockholms statt. Kunkkus Mutter, genannt Königinmutter, ist kaltherzig und tablettenabhängig. Für ihren Sohn wünscht sie sich nur eins: dass er sich standesgemäß verhält. Gestillt wird der kleine Kunkku von der Amme Marjatta Kohtalonmäki, die einen eigenen Sohn in etwa demselben Alter hat: Heikki “Hessu” Kohtalonmäki wird Kunkkus erster Kamerad. Seine erste Leidenschaft als Kind wird das Tennisspielen, das in Finnland seit Langem Nationalsport ist. Die Königinmutter wehrt sich zunächst dagegen, bis John F. Kennedy bei einem Besuch 1959 Kunkkus Talent entdeckt. Daraufhin darf der künftige König mit seinem Freund Hessu an Tennisturnieren teilnehmen. Der Sport führt sie unter anderem nach Berlin, wo Adolf Hitler mit anderen Naziverbrechern seine lebenslange Strafe absitzt. In der Schule ist Kunkku keine Leuchte, er liest auch nicht gern, sondern sieht lieber fern, am allerliebsten ‘Dick und Doof’. Zu seinem 20. Geburtstag bekommt er einen Sportwagen der Marke Sisu-Verrari, ferner kommt zu dieser Zeit sein Liebesleben in Gang. Kurz darauf stirbt sein Vater und Kunkku wird zum neuen König gekrönt. Doch als er anfangen will, seines Amtes zu walten und über sein Reich zu herrschen, erfährt er, dass Könige in der heutigen Zeit keine Macht mehr haben. Zutiefst enttäuscht empfindet er sein Leben als reine Farce und sehnt sich zunehmend nach Freiheit. Ein Lichtblick sind die Olympischen Spiele in Hintersibirien 1974. Dort lernt er die estnische Schauspielerin Sofi kennen, der er sich nicht als finnischer König, sondern als “Pena” vorstellt und mit der er kurzerhand in deren Heimatland Estland durchbrennt. In Estland blüht die Wirtschaft ähnlich wie im vorbildlichen Finnland, wo es keinerlei soziale Probleme gibt und die Multikultigesellschaft sich bereits in den 1950er Jahren etabliert hat. Nachdem Kunkku vom Hofmarschall samt Sofi abgeholt und zurück ins Königreich gebracht wird und Sofi erfährt, dass “Pena” sie belogen hat, ist sie stocksauer und möchte so schnell wie möglich aus dem Schloss verschwinden, doch sie wird wieder weich und bald darauf schwanger. Sogleich wird die Hochzeit organisiert und Sofi zur neuen Königin von Finnland gekrönt. Für einen Film, der über das Leben des Königs gedreht werden soll, reist Kunkku nach Spanien, wo er Ingmar Bergman kennenlernt und sich bei einem Techtelmechtel mit dessen Gespielin eine Geschlechtskrankheit zuzieht. Als die Sache nach seiner Rückkehr ins Schloss auffliegt, platzt Sofi der Kragen und sie verlässt das Schloss samt König und Kind, um sich auf eine Wohltätigkeitstournee zu begeben. Als sie fünf Jahre später ins königliche Schloss zurückkehrt, ist Töchterchen Valma sieben und es dauert nicht lange, bis die junge Königin das zweite Kind erwartet. Kunkku trifft seinen alten Freund Hessu wieder und lernt dabei dessen zwielichtigen schwedischen Geschäftspartner “Watte” kennen, der den König von nun an mit Kokain versorgt. Irma kommt als zweite Königstochter zur Welt, doch Kunkku langweilt sich. Er sorgt dafür, dass die Olympischen Spiele 1994 in Finnland stattfinden. Sohn Veikko wird 1995 geboren. Zwei Jahre später wird die Dienerschaft des Schlosses vom Ministerpräsidenten entlassen. Der Hofmarschall kann somit in Rente gehen. Kunkku möchte so gerne auch in Rente gehen. Doch bis es soweit ist, verliebt er sich noch in eine Sängerin, mit der er sich über Jahre einmal monatlich trifft. 2012 wird die mittlerweile verheiratete Thronfolgerin Valma schwanger. Doch nach der Geburt des kleinen Elmeri gibt es einen Medienskandal um Kunkkus Lebenswandel und die Monarchie bricht mit einem Mal zusammen. Auch das Schloss sowie die ganze Familie zerbricht. Kunkku könnte nun in Frührente gehen, doch zunächst führt sein Weg zum Sozialamt. Von nun an nennt er sich nur noch “Pena” und nach einiger Zeit findet er eine Tätigkeit als Lagerarbeiter in einem Elektrogeschäft. Ihm geht es zwar viel besser als zu seiner Königszeit, aber er würde gerne seine Familie wieder vereinen. Er führt ein sehr bescheidenes Leben und interessiert sich für eine robuste Kollegin namens Helena. Diese hilft ihm, im Alltag zurecht zu kommen, denn als König hatte er die einfachsten Dinge nicht gelernt. Sohn Veikko sitzt im Knast, die Königinmutter liegt im Altersheim. Und auch Sofi wird irgendwann aufgespürt. Sie will die Monarchie wieder haben, wieder als Königin leben. Aber beim Besuch der dementen alten Königinmutter im Altersheim werden unerwartet die Karten neu gemischt… Im Roman wechseln sich zwei Handlungsstränge ab: Der eine berichtet in der dritten Person über Kunkkus Kindheit und anschließendes Leben als König, der andere in der ersten Person über das heutige Leben von “Pena. Durch das ganze Buch wird sowohl die finnische als auch die internationale Prominenz genauso komplett neu aufgemischt wie diverse historische Ereignisse, wobei Finnland prinzipiell am besten abschneidet. Manche Passagen mögen etwas langatmig wirken, doch kommt kaum Langeweile auf. Allein die Film-, Buch- oder Zeitschriftentitel- sowie Namenskreationen sind einfach köstlich. Für Freunde finnischen Humors absolut empfehlenswert! dt. Erstausgabe: 2014 - Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg / Taschenbuchausgabe 2016 - Bastei Lübbe AG, Köln fin. Originalausgabe Kunkku: 2013 - Siltala, Helsinki aus dem Finnischen von Stefan Moster