Literatur Ilkka Remes - Hochzeitsflug (Buchrezension von Birgit Arnold, Mai 2009) Helle Aufregung herrscht im Tower von Swisscontrol am Flughafen Lugano-Agno. Eine Maschine der Regus-Air verschwindet auf dem Flug von Nizza nach Frankfurt vom Radar. Einer der Passagiere ist die amerikanische Malerin Tina Carabella. Sie steht kurz vor der Hochzeit mit dem deutschen Hirnforscher Christian Brück. Die verzweifelten Angehörigen und die Presse werden von den verantwortlichen Stellen mit dürftigen Informationen hingehalten. Es erscheint alles höchst mysteriös, denn Wrackteile werden sehr schnell an der Küste Montenegros gefunden. Von den Passagieren fehlt weiterhin jede Spur. Gemeinsam mit Rebecca, deren Mann ebenfalls mit an Bord der Unglücksmaschine war, macht sich Christian zum Unfallort auf. Die Ankunft der beiden wird sofort von zwielichtigen Personen und zunächst nicht identifizierbaren Geheimdienstlern argwöhnisch beobachtet. Brück wird eine Videokassette mit einer Aufnahme von Tina zugespielt, die sie wenige Minuten vor dem Absturz aufgenommen hat. Dieser Film gibt erste Hinweise auf ungeheuerliche Vorkommnisse an Bord. Fortan beginnt ein Katz-und-Maus- Spiel, denn jemand will diese Kassette um jeden Preis an sich reißen. Für Christian und seine Begleiterin gleicht der Aufenthalt einem Himmelfahrtskommando, das Rebecca mit ihrem Leben bezahlt. Wem kann er nun noch vertrauen? So langsam keimt in ihm der Verdacht, dass Tina etwas mit der Sache zu tun haben könnte. Denn die einzelnen Puzzleteile setzen sich zu einem Bild zusammen, das sie in einem anderen Licht erscheinen lässt. Wer ist oder war seine Braut wirklich? Hochzeitsflug erschien in Finnland bereits im Jahr 2000. Nicht von ungefähr spielt die Handlung kurz nach Beendigung des Kosovo-Krieges. Politische Machtverhältnisse waren undurchsichtig und auch die von Amerikanern geführten NATO-Truppen operierten ebenso mit unklaren Absichten. Ilkka Remes schafft es wie in bislang allen auf Deutsch vorliegenden Büchern auch hier, eine steigende Spannung aufzubauen. Der fulminante, allerdings nicht unbedingt glaubwürdige Schluss sei dem Autor verziehen, denn seine treuen Leser wissen, dass er es mittlerweile besser kann. Dennoch handelt es sich um einen ausgezeichneten Thriller. dt. Erstausgabe: 2009 - Deutscher Taschenbuch Verlag, München fin. Originalausgabe Uhrilento: 2001 - WSOY, Helsinki aus dem Finnischen von Stefan Moster