Literatur Antti Tuuri - Großes kleines Land (Buchrezension von Frank Rehag, Juli 2008) Im Jahr 1980 trifft Antti Tuuri auf einem Kongress des Europäischen Schriftstellerverbandes den isländischen Schriftsteller Njörður P. Njarðvík. Er ist der zweite Isländer, dem Tuuri in seinem Leben begegnet, und dieser sagt ihm, dass jeder Finne wenigstens einmal in seinem Leben Island und Irland besuchen sollte, denn Island, Irland und Finnland seien die einzigen Orte auf Erden, wo sich bei den Menschen noch eine Spur jener Ur-Verrücktheit erhalten habe, um deretwillen es sich zu leben lohne. Tuuri scheint sich diese Aussage sehr zu Herzen genommen zu haben, denn im Jahr 1992 ist er bereits über zehn Mal in Island gewesen. In einer Art isländischem Tagebuch beschreibt Tuuri fünf dieser Aufenthalte: Seinen ersten Aufenthalt 1980, eine Winterreise, eine Sommerreise, eine Reise rund um die Insel herum sowie seinen letzten Aufenthalt 1992 vor Veröffentlichung der Originalausgabe dieses Buches im Jahr 1993 in Finnland. Liebevoll und auch teilweise mit trockenem Humor beschreibt Tuuri das Land, seine Bewohner und seine Geschichte. Bei der Lektüre der Erzählungen, in denen der Autor vor allem viele Ausflüge mit seinem Schriftstellerkollegen Njörður unternimmt, ist der Leser ab und an geneigt, eine Islandkarte parat zu legen, damit er verfolgen kann, wo im Land sich die Protagonisten gerade befinden. Vor allem die Beschreibung der Hochebenen mit ihren Gletschern und Seen, der herben Landschaften mit ihren Wasserfällen, Lava- und Sandgebieten und der Küstenorte ist Antti Tuuri gut gelungen. Während seiner Beschreibungen entführt er den Leser ebenso an die Stätten der Isländersagas, geht jedoch nicht allzu langatmig auf diese Sagen ein. Ebenso wenig fehlen geologische Beschreibungen wie die Funktionsweise von Geysiren. Allerdings beschreibt er während seiner Reise rund um die Insel auf annähernd 40 Seiten viel zu ausführlich seine Erlebnisse beim Angeln und die Technik desselben. Auch wenn das Fliegenfischen ein leidenschaftliches Hobby Tuuris ist: das ist ermüdend. Auch von der Ur-Verrücktheit der Menschen, wie sie im Klappentext erwähnt wird, erfährt der Leser wenig. Alles in allem handelt es sich bei Großes kleines Land um eine liebevolle Hommage an Island - mit kleinen Schwächen. dt. Erstausgabe: 1998 - Pettersson Verlag, Druck bei WSOY, Helsinki fin. Originalausgabe Suuri pieni maa - Kertomuksia Islannista: 1993 - Otava, Helsinki aus dem Finnischen von Andreas Ludden