Finnland von A-Y (Der nachfolgende Text wurde ausgearbeitet und vorgetragen von Juliane Otto und Juliane Rudolph im Rahmen der Interkulturellen Sommerakademie 2001 in Jena. - Anmerkung: Inzwischen sind seit dem Vortrag etliche Jahre vergangen und möglicherweise sind manche Textpassagen, die damals Gültigkeit besaßen, heute nicht mehr ganz aktuell.) Prolog: Daten wie Einwohnerzahl, Größe oder Geschichte eines Landes kann man in jedem Lexikon nachlesen. Was ein Volk und eine Nation wirklich ausmacht, sind oftmals die kleinen Eigenheiten, die dem glücklichen Besucher vor Ort begegnen, gerade in einem Land wie Finnland. Ein Problem jedoch, dass uns bei unserer Recherche immer wieder begegnete, ist das Wissen um folgende Tatsache: Was Ausländern an Informationen über Finnland zur Verfügung steht, stammt meist aus zweiter Hand und ist zweiter Klasse. Aus zweiter Hand ist unsere kleine Zusammenfassung über Finnland sicherlich, da leider kein freundlicher Finne nebenan wohnt, den man hätte fragen können und wir uns somit also auf hier zugängliche Quellen stützen mußten. Ob sie nun auch zweitklassig ist, mögen andere beurteilen. Wir möchten im Folgenden jedoch trotzdem versuchen, Ihnen/Euch/Dir dieses faszinierende Land mit den vielen Gegensätzen, die doch im Einklang stehen, anhand einiger typischer Dinge näher zu bringen. A - Alkohol: Vielleicht ist es ganz gut, dieses Thema ganz zu Anfang zu behandeln. So hat man anschließend noch genug Gelegenheit, von den vielen positiven Aspekten dieses Landes zu überzeugen. Das Thema Alkohol spielt in Finnland leider eine besondere Rolle und es hängt den Finnen im Ausland oft negativ an. Eine gewisse Brisanz im Umgang damit lässt sich sicher nicht leugnen. Im 19. Jahrhundert wurde in Finnland ein Alkoholverbot verhängt. Im Zuge dessen wurde auch das private Schnapsbrennen verboten. Aufgehoben wurde dieses Alkoholverbot in den Städten erst im Jahre 1932 wieder, auf dem Land gar erst 1968. Das erklärt, warum sich in Finnland wie auch in anderen skandinavischen Ländern eine mit mittel- und westeuropäischen Verhältnissen vergleichbare Trinkkultur bisher nicht herausbilden konnte. Zwar wird der Umgang mit Alkohol heute nicht mehr so streng gehandhabt wie im übrigen Skandinavien, allerdings scheint der Charakter der ‘verbotenen Früchte’ auch weiterhin Auswirkung auf das finnische Trinkverhalten zu haben. Auch nach neuesten Studien trinken die Finnen, um sich zu betrinken. Nicht selten werden Fährtouren nur wegen des Duty-Free-Alkohol unternommen. Alkohol ist in Finnland sehr teuer. Der Staat hat das Monopol auf Herstellung und Handel. Mit 48% ist Bier das weitaus beliebteste alkoholische Getränk, gefolgt von Spirituosen und Wein. Bei den Verkaufszahlen allerdings (d.h. Schwarzbrennerei nicht eingeschlossen) liegt der Alkoholkonsum noch unter europäischem Durchschnitt und weiter hinter Ländern wie Deutschland und Frankreich. B - Beharrlichkeit (Sisu): Viele Übersetzungen gibt es für dieses Wort - Kraft, Ausdauer, Stärke und eben Beharrlichkeit. Die Finnen nennen es ‘Sisu’, und alles andere ist Frevel! So schwer es bereits ist, eine annähernd adäquate Übersetzung zu finden - ‘Sisu’ zu erklären, und vor allem zu verstehen, ist für Nichtfinnen nahezu unmöglich. ‘Sisu’ ist ein einmaliges finnisches Konzept, eine Grundüberzeugung, eine Lebenshaltung! Finnen selbst definieren es als magische Qualität und belegen es mit Sätzen wie: “Ich werde vielleicht verlieren, aber ich werde mein Leben aufgeben, für etwas, an das ich glaube!” Im Grunde läßt sich ‘Sisu’ wohl nur an Beispielen erläutern. Am besten vielleicht am russisch-finnischen Winterkrieg von 1940, in dem die kleine finnische Armee von 250.000 Mann gegen die riesige Russlands kämpfte. Zwar endete dieser Krieg für Finnland mit Gebietsabtretungen und vielen Gefallenen, doch konnte das kleine finnische Volk durch Geduld und Intelligenz mit vielen Siegen gegen Russland überraschen. Durch diese Erfolge gewann Finnland Ansehen und Respekt in Europa, denn trotz des letztlichen Sieges war Russland von Finnland derart vorgeführt und gedemütigt worden, daß es einer Niederlage gleichkam. Das kleine Finnland hatte also mit viel Heldenmut und ‘Sisu’ das große Russland in die Knie gezwungen. C - Christentum: Erste Spuren des Christentums in Finnland stammen aus der Wikingerzeit, also dem 9. bis 11. Jahrhundert. Wirklich nachhaltig wirksam war jedoch erst die Reformation, die Finnland, damals noch unter schwedischer Herrschaft, 1527 erreichte. “Missionar” war Mikael Agricola, ein Schüler Luthers und Melanchthons, der in Deutschland studierte, und diese neue Idee nach Finnland brachte. Er übersetzte das Neue Testament ins Finnische und hat sich somit um den Protestantismus als finnische Volksreligion sehr verdient gemacht. Im 17. Jahrhundert waren Staat und evangelische Kirche praktisch eins. Abweichler wurden bestraft. Erst ab 1869 bestand theoretisch Religionsfreiheit, praktisch setzte sich diese aber erst im 20. Jahrhundert durch. Es gibt zwei Landeskirchen. Die evangelisch-lutherische, der mehr als 90% der Bevölkerung angehören, und die finnisch-orthodoxe mit ca. 6%. Desweiteren gibt es wenige Katholiken, Juden und Muslime. Die Zahlenangaben schwanken. Obwohl in Finnland der Protestantismus so präsent wie in kaum einem anderen Land ist, sind die Finnen doch stark säkularisiert. An Traditionen wie Taufe, Konfirmation und Trauung wird aber nach wie vor festgehalten. D - Duzen: Sich zu Duzen ist in Finnland allgemein üblich - quer durch alle Altersgruppen und Schichten. Sogar Lehrer werden in der Schule mit Vornamen und Du angesprochen. Von dieser lockeren Gewohnheit der Finnen sind auch ausländische Besucher nicht ausgenommen. Man sollte dies also akzeptieren. E - Elche & Rentiere: Elche finden sich überall in Süd- und Mittelfinnland. Mit viel Glück begegnen sie auch dem Finnlandbesucher. Die Bestände sind aber, im Vergleich zu Schweden, eher gering. Der Elch erreicht eine Körperlänge von 3 m, eine Schulterhöhe von 2,40 m und kann bis zu 500 kg wiegen. Er ist somit das größte freilebende Wildtier Europas. Rentiere leben besonders in Lappland. Der Bestand dort wird auf 750.000 Tiere geschätzt. Sie sind dem Hirsch verwandt und haben die Besonderheit, dass sowohl männliche als auch weibliche Tiere ein Geweih tragen. Rentiere werden halbdomestiziert als Nutztiere von den Samen, den Bewohnern Lapplands, gehalten und dienen als Zug- und Reittiere, sowie als Milch,- Fleisch- und Fellieferant. Immer wieder kommt es zu Kollisionen mit Elchen oder Rentieren. Das kann, vor allem bei Elchen, auch für den Autofahrer recht gefährlich werden. Das Auto überlebt es meist nie, oft kommt der Elch zu Tode oder muss aufgrund schwerer Verletzungen getötet werden und selten trifft es auch den Menschen. Typische Verkehrsschilder, die vor Elchen warnen, sollte man also ernst nehmen. F - Finnische Sprache: Bei Bert Brecht kann man dazu lesen: “Es ist doch sehr bewundernswert, wie ein Volk derart beharrlich in zwei Sprachen zu schweigen versteht.” Was er meint, sind die zwei Landessprachen Finnisch (von 92,7% der Bevölkerung gesprochen) und Schwedisch (5,7%). Was er damit ferner meint ist die Verschlossenheit der Finnen, die ihnen bei einer Sprache folgender Qualität auch nicht zu verdenken ist. Finnisch ist nur für 5 Millionen Menschen Mutter- sprache, für alle Finnen eben. Es gehört mit Estnisch und Ungarisch zur finno-ugrischen Sprachgruppe, der wiederum nur 23 Millionen Menschen angehören. Im Finnischen gibt es keine Artikel, dafür mindestens 14 Fälle (da sind sich die Finnen selbst nicht so einig). Es ist eine agglutinierende Sprache, Präpositionen und sonstige Ausdrücke werden an das Wortende angehängt, so daß manche Wörter schier endlos erscheinen. Selbst knapp 100% der finnischen Schüler lernen die Grammatik nie wirklich. Für Ausländer ist Finnisch also ein nahezu unmögliches Unterfangen, da auch keine Verwandtschaft zu indogermanischen Sprachen besteht. Die Verständigung mit Englisch klappt in Finnland aber in der Regel problemlos, viele Finnen sprechen auch Deutsch. G - Gleichberechtigung: Schon in der finnischen Volksdichtung werden Frauen als stark, unabhängig und aktiv beschrieben und nicht von Männern beherrscht. So hat zum Beispiel das finnische Nationalepos Kalevala eine Herrin der Unterwelt. Finnland war lange Zeit ein armes Land, in dem der Beitrag beider Geschlechter zum Überleben wichtig war. Finnische Frauen wollten von jeher so arbeiten, wie ihre Männer. Heute stellen sie 48% der gesamten Arbeitskraft des Landes. Die finnischen Frauen waren 1906 die ersten in Europa, die das Wahlrecht erhielten. Im Jahr 2000 wurde Tarja Halonen Präsidentin Finnlands und mit ihr bekleidete das erste Mal eine Frau das höchste Amt im Staat. Überhaupt sind Frauen im öffentlichen und politischen Leben sehr präsent. 74 von 200 Parlamentsmitgliedern, sowie 7 von 18 Regierungsmitgliedern sind Frauen. H - Hymne: Der Wortlaut der finnischen Nationalhymne ist ursprünglich Schwedisch. Ins Finnische wurde er erst später übersetzt. Der Name der Hymne ist ‘Maamme’ (finn.) bzw. ‘Vårt land’ (schwed.) und heißt soviel wie ‘Unser Land’. Der Text stammt von Johan Ludvig Runeberg. Konkret aus dessen Hauptwerk Die Erzählungen des Fähnrich Stål von 1847. Die Melodie komponierte der Hamburger Fredrik Pacius, der im 19. Jahrhundert den Rang eines National- komponisten in Finnland besaß. I - Introvertiertheit: Finnen gelten weithin als ruhig und zurückhaltend. Auf Fremde wirken sie oft reserviert, schüchtern und scheu. Es wird auch gesagt, Finnen lachen nur dann, wenn sie etwas getrunken haben und daß kein Volk so gut schweigen kann, wie die Finnen. Auch wenn man Deutsche nach der Charakterisierung von Finnen fragt, so bekommt man zur Antwort: scheu, zurückhaltend, ruhig und immer wieder auch introvertiert. Und in der Tat, als pures Stereotyp kann man die finnische Introvertiertheit nicht abtun. Vor allem Ältere und Menschen in ländlichen Gebieten entsprechen diesem Bild weitgehend. Jedoch geht der Trend, auch im Zuge der sich entwickelnden Kommunikationsgesellschaft, vor allem in der jungen Generation eher dahin, sich zu öffnen. Und: Finnen mögen zwar introvertiert erscheinen, wenn sie dann allerdings etwas sagen, so sagen sie, was sie denken und meinen es auch so! J - Juhannus (schwed. Midsomar): Juhannus ist das Fest zur Sommersonnenwende, dem Tag mit der längsten Lichtdauer, am 21. Juni. Gefeiert wird immer am Samstag zwischen dem 20. und 26.Juni. Juhannus hat einen ganz besonderen Stellenwert unter den finnischen Feiertagen. Es ist das Highlight des Sommers und das fröhlichste aller Feste. Die Häuser werden mit Blumen und Birkenzweigen geschmückt und überall sieht man finnische Flaggen. In den schwedischen Teilen Finnlands an der Südwestküste und im Westen werden große, mit Blumen geschmückte Kreuze aufgestellt. Überall werden große Johannisfeuer entfacht. Die meisten Finnen verbringen diesen Tag in ihrem Sommerhaus (Mökki) und grillen. K - Kaffee: Man mag es nicht glauben, aber die Finnen sind die stärksten Kaffeetrinker der Welt! Manche sprechen scherzhaft von den zwei Stimulanzien der Finnen: Licht und Kaffee. Während Kaffee früher verboten und später mit einer Luxussteuer belegt war, ist der Verbrauch in den letzten Jahren rasant angestiegen. Die Finnen trinken im Jahr durchschnittlich 12,82 kg Kaffee pro Kopf, die Deutschen im Vergleich dazu nur 7,32 kg. Der finnische Kaffee gilt gemeinhin als sehr stark. L - Lokakuu: Lokakuu ist der finnische Oktober. Aber es ist nicht nur das, es ist viel mehr. Etwas, das die finnische Seele prägt. So heißt Lokakuu übersetzt eben nicht Oktober, sondern ‘Dreckmonat’. Dies kommt nicht von ungefähr. Es gibt Sätze wie: “Finnen sind so schwermütig, dass bei ihnen selbst der Walzer in Moll gespielt wird.” Finnland liegt weltweit an der Spitzenposition bei Selbstmorden. Der Grund dafür liegt wohl einerseits in der Einsamkeit und der Stille der Natur, aber auch das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. Wenn im Winter die Sonne über der Südhalbkugel steht, geht sie in Finnland kaum oder nur für wenige Stunden am Tag auf. Dieser Lichtmangel führt zu Trost- und Hoff- nungslosigkeit, Melancholie, teilweise Depressionen. Nicht umsonst heißt der November gar Marraskuu, ‘toter Monat’. Ein Aspekt, der oft spöttisch in diesem Zusammenhang genannt wird, ist, dass es in der finnischen Grammatik keine Zukunftsform gibt. Weiter heißt es, im Winter übten sich die Finnen im Durchhalten bis zum Juhannus-Fest, um sofort nach dessen Ende nur noch den kommenden trostlosen Winter vor Augen zu haben. Ein Teufelskreis... M - Mökki: Das Mökki ist das - bei den Finnen äußerst beliebte - Sommerhaus. Meist idyllisch und abgeschieden an einem der ‘tausend Seen’ gelegen, ist es für Finnen der Inbegriff der persönlichen Freiheit. Fast könnte die Regel gelten “Jedem See ein Mökki”, denn es kommen über 250.000 dieser Sommerhütten auf rund 188.000 Seen. Weit entfernt von Nachbarn, einsam in der Natur gelegen, verbringen finnische Familien dort den ganzen Sommer. Die Aktivitäten beschränken sich meist auf Angeln, Lesen, Schweigen und natürlich das obligatorische Saunabaden mit anschlie- ßendem Abkühlen direkt im See. N - Nokia: Lange Zeit spielte in Finnland die holzverarbeitende Industrie die wichtigste Rolle. Auch heute noch gilt Holz als der wichtigste Rohstoff. Holz- und Papierprodukte machen 30% des Exports aus, 50% werden bestimmt durch Metall- und Elektroindustrie, sowie durch das Ingenieurwesen. Das wichtigste Exportgut heute ist allerdings das Handy. In den 1980er Jahren war Nokia als Hersteller von Zellstoff, Starkstromkabeln, Autoreifen und Gummistiefeln bekannt. Bereits 1971 brachte Nokia das erste Funktelefon auf den Markt und leistete somit Pionierarbeit im Bereich der Telekommunikationstechnik. Finnland kann mit 90% der Bevölkerung, die ein Handy besitzen und 100% Netz- abdeckung im ganzen Land als führende Handy-Nation bezeichnet werden. Im Jahr 2000 besaß Finnland mehr Handys und Internetanschlüsse pro Kopf als irgendein anderes Land auf der Welt. Gerade dieser Vorstoß in der Kommunikationsbranche gilt als Zeichen für die Öffnung der Finnen. O - O-Ton: “Schweden sind wir nicht, Russen wollen wir nicht werden, also lass uns Finnen sein!” Dieses Zitat stammt von Johan Vilhelm Snellmann, einem bedeutenden finnischen Staatsmann des 19. Jahrhunderts. Snellmann war Schwede und lebte in Finnland. Er war Mitglied der Samstagsgesellschaft, einer Organisation, die sich die Befreiung des finnischen Volkes von der kulturellen Bevormundung Schwedens und der Dominanz Russlands und die Anhebung des finnischen Nationalgefühls zum Ziel gesetzt hatte. Ein großer Verdienst Snellmanns ist unter anderem die Einführung des Finnischen als Nationalsprache, die er aufgrund guter Beziehungen zum russischen Zaren erwirken konnte. Snellmann wird auch der Meister des finnischen Nationalbewusstseins genannt. Auch heute noch werden National- stolz und Patriotismus in Finnland groß geschrieben. Man schämt sich seiner nationalen Symbole nicht, blau-weiße Flaggen kann man an jeder Ecke sehen. Die Finnen sind stolz auf sich, auf ihr Land und vor allem auf ihre Freiheit, die sie gegen ihre übermächtigen Nachbarn Russland und Schweden schwer erkämpft haben. P - Polarkreis: Unter dem Polarkreis versteht man die Grenze, an der im Sommer die Sonne nicht untergeht und im Winter nicht aufgeht. Der Teil Finnlands, der nördlich des Polarkreises liegt, ist Lappland. Als südlichster Punkt Lapplands gilt die Stadt Rovaniemi. Die Landschaft oberhalb des Polarkreises ist durch waldbedeckte Hügel- und Sumpfgebiete gekenn- zeichnet und sehr dünn besiedelt. Die Samen, die Ureinwohner Lapplands, werden in Finnisch-Lappland auf ca. 6000 geschätzt. In ganz Lappland, unter Berücksichtigung der dazugehörigen Gebiete in Russland, Schweden und Norwegen, gibt es ca. 60.000-75.000 Samen. R - Rovaniemi: Rovaniemi ist das Tor zu Lappland. Mehr als 800 km nördlich von Helsinki liegt es knapp unterhalb des Polarkreises und ist das Zuhause des Weihnachtsmannes. Dort befindet sich auch das Weihnachtsmannbüro, an das jährlich tausende Kinder aus aller Welt schreiben und das man natürlich auch besuchen kann. In Rovaniemi hat sich inzwischen eine ganze Industrie aus dem Weihnachtsmannkult entwickelt. Es gibt Souvenirläden und anderes und Rovaniemi und der Weihnachtsmann sind zu einem der Markenzeichen Finnlands geworden. Die Adresse des Weihnachtsmannbüros: Santas Main Post Office, FIN-96930 Napapiiri, Finnland. S - Sauna: Kein finnisches Wort ist weltweit bekannter als Sauna. Es ist das wichtigste Kulturgut der Finnen. Das zeigt sich auch daran, dass es in Finnland ca. 2 Millionen Saunen für 5 Millionen Menschen gibt. Eine Sauna für jeden Haushalt. Egal ob Stadtappartment oder Sommerhütte. Sauna gehört in Finnland seit jeher zum Leben. Seit 1937 gibt es allerdings eine Saunagesellschaft und seit 1986 sogar einen eigenen Feiertag. Saunen gibt es auch nicht nur in Privathaushalten, sondern ebenso in Schulen, in Firmen und auf Campingplätzen. Und sowohl der Präsident als auch der Premierminister haben eine offizielle Sauna. Sogar die finnische Armee hat bei Manövern immer ein Saunazelt dabei. In den meisten Familien ist zwei Mal wöchentlich Saunatag. Saunabaden dient in Finnland ausschließlich zu Reinigungszwecken. Geschätzt wird auch der positive Einfluss auf die Gesundheit. Früher nannte man die Sauna auch die ‘Apotheke der Armen’. T - Tango & Humppa: Tango und Humppa sind die beiden beliebtesten Tänze in Finnland. Die Humppa ist die finnische Version des Foxtrott. Tango mag verwundern, aber die stillen Finnen sind gleich nach Argentinien die zweite Tango-Nation der Welt. Zwar hat der Tango seine Wurzeln in Südamerika, kam aber in den 1930er Jahren über Deutschland nach Finnland. Inzwischen ist er zu etwas typisch Finnischem geworden. Es gibt jedes Jahr viele Tango-Festivals und er erfreut sich großer Beliebtheit. Und dass der finnische Tango wesentlich melancholischer ist, als der argentinische, liegt wohl in der Natur der Sache. U - Urheilu: Urheilu ist finnisch für Sport. Und wo es Sport gibt, da sind Finnen nicht weit. Oder umgekehrt. Finnland ist sport- verrückt. Ob aktiv als Athleten oder passiv als Zuschauer bei Veranstaltungen oder vor dem Fernseher. Es ist eine hervorragende Gelegenheit, seine Nation zu unterstützen, dem Geist des Patriotismus zu huldigen, ganz Finne zu sein. Der finnische Nationalsport ist Eishockey. Spiele gegen die zwei großen Konkurrenten Russland und Schweden sind regelrechte Straßenfeger und noch heute zehrt das Land von seinem großen Sieg über Schweden im Finale der Weltmeisterschaft 1995. Auch im Motorsport ist Finnland stark präsent und sehr erfolgreich. Der Formel 1-Fahrer Mika Häkkinen stieg zum Nationalhelden auf und wurde zum beliebtesten Finnen gekürt. Aber auch Wintersport ist eine finnische Domäne. Vor allem in den Disziplinen des Nordischen Skisports (Langlauf, Nordische Kombination, Spezialspringen) sind immer Finnen unter den Ersten. Zwar ist das Image der Langläufer nach dem großen Doping- Skandal zur WM 2001 in Lahti sehr geschädigt, allerdings kann sich Finnland trotzdem noch mit großen und ehrlichen Helden des Skisports schmücken, wie Matti Nykänen, Ari-Pekka Nikkola oder Janne Ahonen. Wintersportzentren sind Kuopio, Jyväskylä und Lahti. V - Vappu: Ein weiteres großes finnisches Fest ist Vappu - die Walpurgisnacht. Gefeiert wird, wie auch in Deutschland üblich, vom 30. April auf den 1. Mai. Bedeutsam ist dieser Feiertag vor allem für Studenten, denn der 1. Mai ist nicht nur der Tag der Arbeiter, sondern auch der der Studenten. Vappu ist das farbenprächtigste finnische Fest. Überall sieht man Luftballons und Papierschlangen. Quer durch alle Altersklassen werden die Abiturientenmützen herausgeholt und aufgesetzt. Eine besondere Tradition sind die Overalls, die die Studenten an Vappu tragen. Je nach Studien-richtung haben diese verschiedene Farben und unter Studenten gilt die Regel: Je dreckiger, älter und voller mit Aufnähern und Buttons, desto angesehener ist man. So ziehen die Studenten also in der ersten Mainacht durch die Straßen. Und dass der Alkohol an diesem Tag reichlich fließt, ist auch kein Geheimnis. W - Wasser: Finnland hat eine annähernd so große Fläche wie Deutschland, jedoch nur 5 Millionen Einwohner im Vergleich zu 80 Millionen in Deutschland. Dies liegt vor allem an den territorialen Gegebenheiten, denn Finnland ist zu 10% von Wasser und zu 69% von Wald bedeckt. Das erklärt auch die absolute Naturverbundenheit der Finnen. Mehr als in anderen europäischen Ländern wird das Leben hier maßgeblich durch die Natur, vor allem die Jahreszeiten bestimmt. Den Finnen eigen ist auch ein sehr ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Natur. Ein weltweit einzigartiges Beispiel dafür ist das sogenannte Jedermannsrecht, das in allen skandinavischen Ländern gilt. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, gilt für Einheimische wie Fremde gleichermaßen und regelt den Aufenthalt in der freien Natur. Oberstes Prinzip ist: Nicht stören, nicht zerstören. Finnlands größter Naturschatz sind sicherlich seine Seen, nicht umsonst hat es den Beinamen ‘Land der 1000 Seen’, wobei diese Zahl natürlich stark untertrieben ist. Als See zählen in Finnland alle Gewässer, die größer als 500 m² sind. Zwar variieren die Zahlen, die konkreteste Angabe lag jedoch bei 187.888 Seen. Die Bedeutung des Wassers für Finnland kann man auch an der Nationalflagge erkennen, denn diese ist weiß wie der Schnee und blau wie die Seen. Y - letzter Buchstabe des finnischen Alphabets: Das finnische Alphabet umfasst regulär nur 21 Buchstaben. B, C, D, F, G, W, X und Z findet man nur in Eigennamen und Fremdwörtern. Aber dafür ist es ja, dieser Meinung begegnet man immer wieder, “die seltsame Sprache mit den vielen ä’s”. Epilog: Seltsame Sprache? Seltsames Land? Seltsames Volk? Vielleicht. Aber oft stecken in der Andersartigkeit auch Chancen. Und dass Finnland ein wunderschönes und bezauberndes Land ist, und dass vor allem die Finnen ein sehr liebenswertes und interessantes Volk sind, haben wir hierdurch vielleicht unterstreichen können. Finnformatives