Finnisch als Weltsprache (Der nachfolgende Text wurde ursprünglich von Richard Lewis geschrieben (1989) und später von Gunnel Stenberg ins Schwedische übersetzt. Kari Yli-Kuha übersetzte ihn zurück ins Englische und schickte ihn ins Internet, wo Paul Lenz ihn fand und ins Deutsche übersetzte. Hier nun eine von uns etwas überarbeitete Version der deutschen Übersetzung.) Ist die Zeit gekommen, dass Finnisch einen Platz als Weltsprache einnimmt? Offenbar ist es sehr schwierig, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Folgende Faktoren könnten eine solche Entwicklung verhindern: 1. Finnisch wird nur von etwa 0,05% der Weltbevölkerung gesprochen. 2. Die Sprache kann nicht durch zehn einfache Lektionen gelernt werden. 3. Es gibt Finnen, die diese Sprache selber nicht verstehen und begreifen. Obwohl die Entwicklung der finnischen Sprache ein wenig langsam ist, gibt es doch Finnen, die folgende Vorzüge der finnischen Sprache hervorheben, damit diese als Weltsprache anerkannt wird: 1. Es handelt sich um eine Sprache, die grundsätzlich logisch ist. Regeln werden absolut eingehalten, frei von Ausnahmen. 2. Die Sprache ist wohlklingend, sie ist eine Freude für die Ohren. Das kommt von der überwiegenden Menge Vokale, die dumme Kombinationen von Konsonanten verhindern. Gelegentlich wurde vorgeschlagen, dass einige Vokale in die Tschechische Republik exportiert werden könnten - dort herrscht chronischer Vokalmangel. Im Gegenzug könnten tschechische Konsonanten importiert werden. Allerdings wurden die Verhandlungen schon in einem frühen Stadium angebrochen. Die Finnen wollten nichts mit einer Sprache zu tun haben, in der Eiscreme “zmrzlina” oder der Donnerstag “čtvrtek” genannt werden. Andersherum waren die Tschechen misstrauisch gegenüber einer Sprache, in der die Eiscreme “jäätelöä” heißt. 3. Finnisch ist eine prägnante Sprache. Ein finnisches Wort kann viele Dinge auf Deutsch bedeuten. Warum soll man kostbare Zeit vergeuden und “Ausschuss zur Durchführung von Verhandlungen über die Einstellung von bewaffneten Feindseligkeiten” sagen, wenn man doch ein einfaches Wort wie “aseleponeuvottelutoimikunta” benutzen kann? 4. Finnisch lernen gibt Selbstvertrauen. Wer in der Lage ist, Finnisch zu lernen, der kann wirklich alles erlernen. 5. Die finnische Sprache hat längere und bessere Flüche als jede andere Sprache. 6. Finnen brauchen überhaupt keine artikulatorische Energie aufwenden. Wörter werden auf der ersten Silbe betont und Fragesätze genauso ausgesprochen wie Aussagesätze. Eine fragende Intonation ist auch gar nicht nötig, weil Fragesätze entweder durch Fragepronomen eingeleitet oder durch angehängte Fragepartikel wie “-ko/-kö” gekennzeichnet werden. Bei dieser Faktenlage muss eigentlich jedem sofort klar sein, dass die Einführung des Finnischen als Weltsprache ein Segen für die gesamte Menschheit wäre. Allerdings gäbe es ein Problem: Wie bringt man die restlichen 99,95% der Weltbevölkerung dazu, Finnisch zu lernen. Wir haben beschlossen, den Rest der Welt an unseren Erfahrungen mit dieser Sprache teilhaben zu lassen, und nach einigen Monaten intensiver (und manchmal verzweifelter) Forschung haben wir folgende Methoden entwickelt, um das anzugehen, was sich bis jetzt als eine der gewaltigsten linguistischen Herausforderungen der Welt erwiesen hat. Substantive und ihre Fälle Denken Sie daran: Selbstvertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg. Niemals zweifeln! Wenn Sie beabsichtigen, ein Substantiv zu gebrauchen, sollten Sie sorgfältig die Situation überdenken, wobei Sie das folgende Schema benutzen: Wie heißt das entsprechende Substantiv auf Finnisch? Liegt Einzahl oder Mehrzahl vor? Welcher Fall kommt zur Anwendung? Nominativ? Genitiv? Akkusativ? Partitiv? Inessiv? Elativ? Illativ? Adessiv? Ablativ? Allativ? Essiv? Translativ? Abessiv? Instruktiv? Komitativ? Ist es möglich, die Benutzung des Substantivs zu vermeiden? Haben Sie all das in dem berühmten Bruchteil einer Sekunde überdacht, atmen Sie tief ein und sprechen die erste Hälfte des Substantives mit erhobener Stimme aus, die dann in ein feines Wispern absinkt, wenn die Endung des Substantives ausgesprochen werden soll. Diese Methode, Erfahrungen in der Benutzung der Fälle zu demonstrieren, wird wärmstens empfohlen. Denn schließlich gilt: Wenn Sie selbst nicht feststellen können, ob Sie alles richtig gemacht haben, kann ebenfalls kein Finne oder sonst jemand feststellen, ob Sie es falsch gemacht haben. Die grundsätzliche Sache ist, voller Selbstvertrauen zu erscheinen. Zahlen Oberflächlich betrachtet bestehen keine Ähnlichkeiten zwischen dem finnischen und dem deutschen Zahlensystem:    yksi = eins    kaksi = zwei    kolme = drei    neljä = vier    viisi = fünf    kuusi = sechs    seitsemän = sieben    kahdeksan = acht    yhdeksän = neun    kymmenen = zehn. Auf den zweiten Blick allerdings werden einige Erkenntnisse deutlich, die dem Anfänger helfen können: 1. “kuusi” und “sechs” haben beide fünf Buchstaben. 2. “neljä” und “vier” scheinen um das ‘e’ herum gebaut zu sein. 3. “seitsemän” und “sieben” haben offenbar den gleichen Ursprung (beide fangen mit ‘s’ an). Weitere Tricks, um Zahlen zu lernen: Vergessen Sie die deutschen Zahlen komplett. So sind Sie gezwungen, die finnischen zu benutzen, um sagen zu können, wieviel Uhr es ist. Falls Sie dadurch später Probleme bekommen, wenn Sie Deutsch sprechen müssen, können Sie ein finnisch-deutsches Wörterbuch benutzen, oder, wenn es nur um Zahlen bis zwanzig geht, Finger und Zehen zur Hilfe nehmen. Vergeuden Sie nicht zuviel Zeit, Zahlen über zwanzig Millionen zu lernen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Sie einmal so viel Geld besitzen werden (auch schon damals zu Finnmark-Zeiten). Monate und Tage Sagen Sie “erster Tag”, “dritter Tag”, “zweiter Monat”, “Monat vor dem vorletzen” usw. Das erspart Ihnen zwei Jahre, in denen Sie Namen auswendig lernen müssten und lässt Ihren Gesprächspartner die ganze Arbeit tun. Direkte Objekte Die meisten finnischen Grammatikbücher sind besonders einfach zu verstehen, wenn es um “direkte Objekte” geht. Ungefähr so: Ein direktes Objekt im Finnischen (allgemein Akkusativobjekt genannt) kann im Nominativ, Genitiv oder Partitiv stehen. Um alles noch leichter verständlich zu machen, werden Nominativ und Genitiv Akkusativ genannt. Außerdem gibt es noch einen richtigen Akkusativ, der aber keinen besonderen Namen hat. Große Vorsicht ist erforderlich, wenn grammatische Bezeichnungen konstruiert werden. Wenn Sie das Wort Akkusativ sehen, kann es Nominativ oder Genitiv bedeuten, aber niemals Akkusativ; die Bezeichnung Nominativ kann Akkusativ bedeuten oder vielleicht auch Nominativ; Genitiv kann Akkusativ bedeuten oder einfach nur Genitiv, während Partitiv immer Partitiv ist, außer es könnte Akkusativ sein. Verben Am besten benutzt man überhaupt keine Verben! Eventuell könnte es etwas schwierig werden, eine längere Unterhaltung zu führen, aber fleißiges Üben macht Sie erfahren. Die Fehleranzahl wird mit der Methode, Verben wegzulassen, um bis zu 20% verringert. Eine Fehlerreduzierung um bis zu weitere 15% kann erreicht werden, indem man Adjektive, Adverbien und Pronomen weglässt. Allerdings folgt dann daraus, dass die Konversation auf ein sehr niedriges Niveau absinkt, falls man keine Erfahrung mit dem Gebrauch von Händen und Füßen hat. Aussprache Einige schwierige Laute und ihre korrekte Aussprache: - ää: Wie in “Nähe”, länger und intensiver. Mund so weit wie möglich offen, Ohren weit nach hinten gestreckt. - äy: Halb palatal, halb alveolar, halb dental; verächtlich erscheinen. - yö: Seien Sie sehr vorsichtig damit. - rr: Stark gerollt. Lose Zähne sind hier hilfreich. Finnformatives