Literatur Markku Ropponen - Faule Finnen fangen keine Fische (Buchrezension von Bettina Dauch, Januar 2014) Herbstgrau legt sich über die Stadt Jyväskylä und schlägt ihren Einwohnern aufs Gemüt. Mehr als zwei Jahre sind vergangen, seit die Studentin Ilona Lost ihre Beschäftigung als Supermarktkassiererin in einem sozial schwachen Viertel an den Nagel hängte und an ihrem letzten Arbeistag beim Schließen der Türen ermordet wurde. Doch der Polizei ist es noch immer nicht gelungen, den Täter zu ermitteln. Der Vater der Verstorbenen, ein etwas kauziger Schlosser, wendet sich daher an den Privatdetektiv Otto Kuhala, der just zu diesem Zeitpunkt im Haus seines alten Freundes, des herzkranken Frührentners Raatikainen, Zeuge eines ganz anderen Tötungsdeliktes wird: Während Raatikainen sich durch ein Missgeschick im Keller eingesperrt hat, trifft Kuhala im Erdgeschoss auf zwei Einbrecher, wobei im Eifer deren Gefechts einer der beiden zu Tode kommt. Zusammen mit seinem treuen Hund Jeri, mit dem er sein Leben teilt, nachdem sich seine Freundin Annukka aus heiterem Himmel von ihm getrennt hat, macht sich Kuhala an die Arbeit. Im Laufe seiner Ermittlungen zu beiden Taten stellt er fest, dass Mika Rentonen, der Tote aus Raatikainens Haus, seinerzeit mit Ilona geflirtet hatte. Und so drängt sich bald der Verdacht auf, dass es sich bei beiden Fällen um denselben Täter handelt, von dem man jeweils nur die dünne Gestalt und den das Gesicht verdeckenden Kapuzenpulli kennt. Nach dem Zwischenfall bei Raatikainen trifft Kuhala noch einige Male auf die verhüllte Person: nachts an einem Bootssteg, auf dem Fahndungsbild nach Ilonas Mörder, das der Überwachungskamera des mittlerweile geschlossenen Supermarkts entnommen wurde, sowie abermals nachts auf einem verlassenen Parkplatz. Die Spur seiner Nachforschungen führt Kuhala zunächst zu einem Jugendtreff, der sich die Räume des ehemaligen Supermarkts mit einer lokalen Arbeitslosenvereinigung teilt, und dort zu dem arbeitslosen Matti Forsman, der von fast allen des Mordes an Ilona verdächtigt wird, obwohl er keinerlei Ähnlichkeit mit der Person auf dem Foto hat. Kuhala schnüffelt weiter und wühlt sich bis in die Tiefen des Kellergeschosses des besagten Gebäudes vor, wo er nach der Bekanntschaft mit einer Ratte auf einen interessanten Fund stößt. Währenddessen hat Kommissar Nevakivi, ein alter Bekannter von Kuhala, stets ein argwöhnisches Auge auf den Detektiv und die beiden geraten wiederholt aneinander und sich gegenseitig in die Haare. Von Anfang an fesselt die Schreibweise, die vor bildhaften Stilmitteln nur so sprüht. So sorgt die Erzählung nicht nur inhaltlich, sondern auch rhetorisch immer wieder für Kurzweil – von Stefan Moster mit dessen gewohnter Brillanz aufs Feinste ins Deutsche übertragen. Einziges Manko: Der auf Freunde guter Lektüre eher abschreckend wirkende deutsche Buchtitel ist nicht nur meilenweit sowohl vom Originaltitel als auch vom Inhalt der Erzählung entfernt, sondern lässt auch kaum auf die stilistische Qualität des Werkes schließen. Es bleibt zu hoffen, dass die Titelverunstaltung dennoch nicht allzu viele wählerische Leser von diesem wunderbaren Kriminalroman fern hält. dt. Erstausgabe: 2014 - Piper Verlag, München fin. Originalausgabe Kuhala ja takapihojen tuonenvarjo: 2006 - Tammi, Helsinki aus dem Finnischen von Stefan Moster