Literatur Marko Kilpi - Erfrorene Rosen (Buchrezension von Frank Rehag, April 2010) Olli Repo gibt seine gut bezahlte Stelle in der Werbebranche auf, um bei der Polizei neu anzufangen. Nach Beendigung der Polizeischule wird er ausgerechnet in seine Geburtsstadt, in die er aus persönlichen Gründen nie mehr zurückkehren wollte, versetzt, um dort als Praktikant im Polizeialltag Erfahrungen zu sammeln. Sein Praktikumsbetreuer ist der erfahrene Polizist Tossavainen, mit dessen Art Olli zunächst nicht viel anzufangen weiß. Nach den ersten Einsätzen, bei denen es eine Bombendrohung und einen Toten gibt, lernt er das unaufgeregte Handeln Tossavainens allerdings zu schätzen. Olli hat seine ersten Erfahrungen im Polizeidienst gedanklich noch nicht ganz verarbeitet, da steht plötzlich sein ihm verhasster Vater vor der Tür, den er seit vielen Jahren nicht gesehen hat. Auf diese Begegnung hätte er auch weiter gerne verzichtet, denn der Vater verhält sich ihm gegenüber genauso herablassend, wie er es immer getan hat. Doch was weiß sein Vater von der Sache mit der Bombendrohung, auf die dieser zu sprechen kommt? Und wieso kreuzt er im Zuge der Ermittlungen zu weiteren Fällen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, immer wieder die Wege Ollis und Tossavainens? Stehen die Fälle eventuell doch in einem Zusammenhang zueinander und welche Rolle spielt Ollis Vater dabei? Es sind nicht nur diese Fragen, die es zu beantworten gilt, vor allem muss sich Olli der Vergangenheit stellen und mit ihr abschließen... Mit Erfrorene Rosen hat Marko Kilpi einen äußerst komplexen Debütroman vorgelegt. Die realitätsnahe Darstellung des Polizeipraktikanten Olli Repo ist zu großen Teilen seiner eigenen Lebensgeschichte geschuldet. Kilpi hat selbst seine Tätigkeit in der Filmindustrie aufgegeben, um einen Neuanfang bei der Polizei zu wagen. Die Erfahrungen aus der Polizeischule und aus dem Polizeialltag lässt er in diesen Roman einfließen: die detaillierten Gedanken über Ollis Tun, die Beschreibung der Ermittlungstätigkeiten zur Lösung des Falles und die Darstellung von Ollis Verhältnis zu seinen Kollegen. Allerdings wird dies an keiner Stelle zu langatmig ausgeschlachtet. Hinzu kommt als zweiter Erzählstrang die Beschreibung von Ollis Familie, insbesondere sein Verhältnis zum Vater. Diese beiden Hauptthemen, Polizeiarbeit und Familie, weiß Marko Kilpi geschickt miteinander zu verflechten, ohne den Roman zu überfrachten. Und nebenbei wird neben dem Kriminalfall auch noch das Rätsel des dreiseitigen Prologs gelüftet. Dieses Debüt ist sehr gelungen! dt. Erstausgabe: 2010 - Grafit Verlag, Dortmund fin. Originalausgabe Jäätyneitä ruusuja: 2007 - Nemo, Helsinki aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara