Literatur Matti Rönkä - Entfernte Verwandte (Buchrezension von Frank Rehag, Mai 2011) Weiter geht die Erfolgsgeschichte um den äußerst coolen und mit allen Wassern gewaschenen Hauptprotagonisten Viktor Kärppä. Kärppä, einst als Rückwanderer aus Sortavala im russischen Teil Kareliens nach Finnland gekommen, arbeitete bereits als Privatdetektiv und verdingte sich mit mehr oder weniger zwielichtigen Gestalten im Schwarzhandel, bevor er mit einem Baustoffhandel sesshaft wurde. Diesen betreibt er inzwischen nahezu legal und seine Arbeiter zahlen brav ihre Steuern an den finnischen Staat. Auch privat läuft es bis auf kleine Streitereien ziemlich rund: Mit seiner Lebensgefährtin Marja hat er inzwischen die kleine Tochter Anna, und auch ein neues Haus hat sich die Familie im Helsinkier Stadtteil Tapanila aufgebaut, nachdem ihr altes Eigenheim abgebrannt war. Dennoch plagen Kärppä momentan finanzielle Sorgen. Das ganze Geld steckt im neuen Haus, in der Industriehalle, den Werkzeugen, dem LKW und in all den Dingen, die man benötigt, um eine Baufirma mit zwanzig Arbeitern aufrecht zu erhalten. Eigentum ist also vorhanden, nur die flüssigen Mittel fehlen. Die einzige sichere Geldquelle sind Mieteinnahmen aus seinen beiden Wohnungen im Stadtteil Punavuori. Überwiesen werden die Mieten vom Zuhälter Maxim Frolow, der die Wohnungen allerdings als Bordelle nutzt, was Kärppä inzwischen ein Dorn im Auge ist. Dass Frolow in einer der Wohnungen Drogen in großer Menge hortet, bringt das Fass zum Überlaufen. Es muss etwas geschehen, bevor die Polizei Wind davon bekommt und Kärppä als Vermieter zu Unrecht beschuldigt wird. Zu alledem taucht eines Tages auch noch Xenja Wadajew, eine Kusine zweiten Grades von Viktor, mit ihrem Sohn Sergej auf. Sie sucht ihren Mann Pawel, der für einen Monat zur Arbeit nach Finnland angeheuert wurde und seitdem nichts mehr von sich hören ließ, und bittet Viktor, nach ihm zu suchen. Gerade jetzt ist die Helsinkier Polizei bestrebt, die Schwarzarbeit stärker zu bekämpfen – allen voran Kärppäs Spezi Korhonen und dessen Chef Parjanne. Viktor Kärppä bekommt heraus, dass Pawel Wadajew für Veikko Luoma arbeitet, einen Personaldienstleister, der unter Geschäftsbetriebsverbot steht. Als Pawel tot aufgefunden wird, gerät alles aus den Fugen. Wie schon bei den Romanen um Viktor Kärppä zuvor handelt es sich auch hier nicht um einen Kriminalroman im eigentlichen Sinne, auch wenn es so deklariert ist. Die typische Krimi-Rollenverteilung Opfer-Polizeiarbeit-Täter findet nicht statt. Stattdessen geht es um Machenschaften und Intrigen innerhalb der Gruppierungen finnischstämmiger Rückwanderer von Russland nach Finnland. Und mittendrin befindet sich immer wieder Viktor Kärppä, der eine Spezialausbildung bei der Roten Armee genoss, der seine Beziehungen nach Russland pflegt und der so schnell nicht aus der Ruhe zu bringen ist. Die Polizei in Person von Teppo Korhonen taucht immer mal wieder am Rande auf. Kärppä und Korhonen respektieren sich und helfen sich auch gegenseitig. Wenn es allerdings dem eigenen Interesse dient, wird auch schon mal ab und zu etwas verschwiegen. Die etwas anderen Kriminalromane des Autors Matti Rönkä genießen inzwischen zu Recht Kultstatus und auch Entfernte Verwandte ist unbedingt zu empfehlen. dt. Erstausgabe: 2010 - Bastei Lübbe, Köln fin. Originalausgabe Isä, poika ja paha henki: 2008 - Gummerus Kustannus Oy, Helsinki aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara