Literatur Timo Parvela - Die Wippe (Buchrezension von Birgit Arnold, August 2011) Wippen kann man nicht alleine! Man braucht jemanden für die andere Seite, am besten einen Freund. Da ist etwas Wahres dran und so wartet Pi der Bär jeden Tag vergeblich darauf, dass jemand zum Wippen vorbeikommt. In dieser Parabel nimmt der Leser Anteil daran, wie sich der kleine Bär Pi auf die Suche nach einem Freund macht. Timo Parvela, durch seine Ella-Reihe bekannt, nutzt die Wippe als Sinnbild für Freundschaft. Um eine Wippe zu bewegen, benötigt man zwei möglichst gleich schwere Personen. Während einer gen Himmel fliegt, hat der andere festen Boden unter den Füßen. Nur im steten Wechsel kommt ein jeder in den Genuss des Gefühls von Schwerelosigkeit. Doch Pi hat Pech, denn er wartet Tag für Tag vergeblich darauf, dass jemand vorbeikommt. Eines Tages sitzt er wieder einsam auf der Wippe, als plötzlich die große Tanne umkippt und genau auf den verwaisten Platz am anderen Ende fällt. Zuerst erschrickt Pi, denn er wird in die Luft geschleudert. Er fliegt immer höher und höher und saust bis ins Weltall. Dort trifft Pi den Mond. Auf die Frage, ob der Mond mit ihm wippen möchte, bekommt er leider wieder eine Absage. Denn der Mond wippt schon mit der Sonne. Pi ist etwas neidisch und so schreibt er in sein Notizbuch: “Wippen ist einfach, wenn man sich auf den anderen verlassen kann. So wie der Mond sich auf die Sonne verlässt.” - Pis Reise führt ihn weiter zu den Rumpels am Fluss. Doch auch dort hat er kein Glück, denn die zwei ungemüt-lichen Kerle streiten lieber, als sich mit so etwas Profanem wie Wippen zu befassen. Die alte Möwelle erklärt Pi, dass sie zu alt zum Wippen sei. Auf einmal trifft er auf einen zweiten Bären, der sich allerdings zunächst als blöder Dödel und sehr unfreundlich entpuppt. “Ich werde niemals wippen, nie”, schreibt Pi in sein Notizbuch hinein. Er zieht sich zurück und lernt etwas später die Störchin Harmonika und die Tölpel kennen, die ihm erklären, was eine gute Freundschaft ausmacht. Und dann ereignet sich ein kleines Wunder und eine große Verwandlung geschieht. Was ist die Schlussfolgerung dieser Geschichte? Dass es sich lohnt, die Wippe zu verlassen; dass man bereit sein sollte, Erfahrungen zu machen und Trauriges zu sehen; dass, selbst wenn man kurz vor der Aufgabe steht, einem die Erinnerung an schöne Erlebnisse hilft, weiterzumachen. Im Fall von Pi zeigt sich, dass man in einer Freundschaft auch zurückstecken muss und dass es manchmal lange dauern kann, bis man den anderen wirklich versteht. Zuhören, verzeihen und nachgeben können sind wichtige Bestandteile einer guten Freundschaft. Ich habe die Geschichte einer Lehrerin zum Vorlesen in ihrer zweiten Grundschulklasse mitgegeben. Den Kindern gefiel die Geschichte, einige konnten sich in Pi hineinversetzen. Die Illustrationen von Virpi Talvitie kamen dagegen nicht so gut an. Auch mich haben die Zeichnungen, die in einer Wachs- ausspartechnik angefertigt wurden, nicht vom Hocker gerissen. Mit Die Wippe zeigt Timo Parvela, dass er auch die leisen Töne versteht. Ob sich die Ella-Fans auch von diesem Buch begeistern lassen, wird sich zeigen. Empfohlen ab sechs Jahren. dt. Erstausgabe: 2011 - Carl Hanser Verlag, München fin. Originalausgabe Keinulauta: 2006 - Werner Söderström Oy, Helsinki aus dem Finnischen von Anu und Nina Stohner, illustriert von Virpi Talvitie