Literatur Risto Isomäki - Die Schmelze (Buchrezension von Birgit Arnold, April 2008) Menschliche Knochen werden am Golf von Khambat entdeckt. Die indische Forscherin Amrita und der Russe Sergej erkennen, dass dies die grausamen Folgen einer Eisschmelze vor Tausenden von Jahren im Himalaja waren. Die Knochen sind Zeuge einer Naturkatastrophe, die sich heute so wiederholen könnte. Die Eisexpertin Chang hat am anderen Ende der Welt, in Grönland, das wegbrechende Eis direkt vor Augen. Es gibt nur eine Möglichkeit, die dramatische Entwicklung noch aufzuhalten. Aber haben die Mächtigen der Welt ein Einsehen? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt - und damit leider auch gähnende Leselangeweile... Risto Isomäki befasst sich im Grunde mit einem interessanten und vor allem aktuellen Thema, der Abschmelzung der Pole! Doch leider wirkt der gesamte Aufbau des Romans unstrukturiert, die einzelnen Protagonisten bleiben farblos und in ihren Rollen rätselhaft. Einzelne Handlungsstränge werden gekappt und an anderer Stelle plötzlich wieder aufgenommen. Störend sind zudem die endlos wirkenden halbwissenschaftlichen Passagen, sie bremsen den Lesefluss enorm. Nur wer sich in etwa mit der Thematik auskennt, kann diesen Monologen folgen oder findet Gefallen daran. Spätestens hier merkt der Leser, dass Risto Isomäki auch als Umweltaktivist und Wissenschaftsredakteur tätig ist. Stellenweise erinnert die Handlung an Frank Schätzings Der Schwarm. Das verwundert nicht weiter, denn Isomäkis Roman erschien 2005 in Finnland, ein Jahr nach dem verheerenden Tsunami in Südostasien. Insgesamt hat mich Die Schmelze sehr enttäuscht. dt. Erstausgabe: 2008 - Verlagsgruppe Lübbe, Bergisch Gladbach fin. Originalausgabe Sarasvatin hiekkaa: 2005 - Tammi, Helsinki aus dem Finnischen von Angela Plöger