Literatur Leena Lehtolainen - Die Leibwächterin (Hilja Ilveskero-Trilogie, Bd. 1) (Buchrezension von Dorothea Bartels, Februar 2011) Die junge Finnin Hilja Ilveskero, zuvor brutal bewusstlos geschlagen, erwacht in Moskau in einem ihr unbekannten Hotelzimmer ohne Erinnerung an die vergangenen zwölf Stunden. Sie kann sich lediglich daran erinnern, dass sie die Bar verlassen hatte, um auf Anita zu warten. Und wie ist Anitas Seidentuch in ihren Besitz geraten? Da Anita ihr das teure Gucci-Tuch nie selber überlassen hätte, sie diese telefonisch nicht erreichen kann und sich ein unbekannter Russe an Anitas Telefon meldet, hat Hilja die schlimmsten Befürchtungen, obwohl sie sich vergewissern konnte, dass aus ihrer eigenen 9 mm-Glock kein Schuss abgegeben worden war. Haben Paskewitschs Männer, vor denen sie Anita beschützen sollte, dieser etwas angetan? - Seit ihrer Ausbildung zur Leibwächterin in den USA hatte Hilja für verschiedene Auftraggeberinnen gearbeitet. Ihre letzte Chefin, Anita Nuutinen, erfolgreiche Immobilienmaklerin mit Geschäftskontakten in Moskau, wurde Hilja durch ihre arrogante und skrupellose Art zunehmend unsympathischer. Hiermit konnte sie zwar mit professioneller Distanz umgehen, aber als Anita sich einen teuren Luchs-Pelzmantel kaufte, kündigte Hilja ihr in einem Anfall von heilloser Wut. Hilja erkennt schnell, dass sie erst einmal untertauchen und auf eigene Faust ermitteln muss, ehe sie sich der Polizei anvertraut. Sie fährt, in der Hoffnung, hier vor Verfolgern sicher zu sein, nach Hevonpersiinsaari in das leerstehende Holzhaus ihrer Kindheit, das sie nach dem Tod ihres Onkels Jari geerbt und an Matti Hakkarainen verkauft hatte. Die trotz einiger Modernisierungen vertraute Umgebung weckt in Hilja Erinnerungen an ihre Kindheit - der Leser erfährt, wie Hilja schon als kleines Kind Halbwaise wurde und in die Obhut ihres Onkels, des Bruders ihrer Mutter, kam, weshalb sie nicht denselben Namen trägt wie ihr leiblicher Vater, und wie ihre große Liebe zu Luchsen entstanden war. Erst hier hört sie in den Nachrichten, dass eine finnische Immobilienmaklerin ermordet in der Nähe einer Moskauer Metrostation aufgefunden wurde. Dass es sich dabei um Anita Nuutinen handelt, ist ihr völlig klar. Erst nach einer Weile nimmt sie Kontakt zu Hauptmeister Laitio von der Finnischen Zentralkripo auf, weil sie weiß, dass sie zu den Hauptverdächtigen zählt. Doch dann wird überraschend ein obdachloser Alkoholiker als Anitas Mörder überführt, so dass Hilja entlastet ist. Trotzdem wird Hilja telefonisch bedroht und verfolgt und sie ist sich daher sicher, dass jemand Anderes Anita ermordet hat. Und welche Rolle spielt David Stahl, der ihr in der Nähe ihres Holzhauses scheinbar zufällig begegnet und den sie schon früher in der Nähe von Paskewitsch gesehen hatte? - Um besser recherchieren zu können, verwandelt sich Hilja zeitweise in ihr Alter Ego Reiska, einen unauffälligen jungen Mann, der ungehindert Zugang zu allen Kneipen und dunklen Plätzen hat, an denen sie als Frau aufgefallen wäre. Als sie von einer alten Freundin den Tipp erhält, sich für ihre Recherchen an die Abgeordnete Helena Lehmusvuo zu wenden, um wirtschaftliche und politische Hintergrundinformationen zu erhalten, lässt sie sich von ihr als Leibwächterin anstellen und versieht ihre Arbeit in deren Haus in Kirkkonummi getarnt als der Arbeiter Reiska, der Haus und Garten in Ordnung hält. Gleichzeitig pflegt sie ein heimliches stürmisches Verhältnis mit David Stahl, hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft und Misstrauen. Als sich herausstellt, dass Helena lediglich von ihrem Ehemann belästigt wurde, scheint Hiljas Tätigkeit bei ihr nicht weiter erforderlich zu sein. Als jedoch Helena eines Tages nicht zu dem vereinbarten Zeitpunkt erscheint, weiß Hilja intuitiv, dass ihr etwas geschehen ist, findet und befreit sie auf spektakuläre Weise. Während dieser gefährlichen Befreiungsaktion bringt sie unter Einsatz ihres Lebens auch in Erfahrung, wer Anita ermordet hat. Und nun ist sie sogar bereit, den Mann, den sie liebte, zu töten! Leena Lehtolainen hat einen spannenden Thriller geschrieben, der auch in den ruhigeren Passagen durch seine präzisen Beschreibungen von Land, Menschen und Tieren ständig fesselnd bleibt. Zudem vermittelt das Buch spannende Informationen über die Ausbildung und das Berufsethos eines Leibwächters und über brisante wirtschaftliche Verflechtungen Finnlands mit Russland. In vielerlei Hinsicht ist Die Leibwächterin eine absolute Leseempfehlung! dt. Erstausgabe: 2011 - Kindler innerhalb des Rowohlt Verlages, Reinbek bei Hamburg fin. Originalausgabe Henkivartija: 2009 - Tammi, Helsinki aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara