Literatur Reijo Mäki - Die gelbe Witwe (Buchrezension von Bettina Dauch, November 2008) Die ehemalige Unteroffizierin Eeva Sunila ist Anfang 30 und arbeitet als Geschichtslehrerin in Tampere. Durch eine Bürgschaft für ihren Bruder findet sie sich plötzlich vor einem Haufen unbezahlbarer Schulden wieder. In ihrer Verzweiflung geht sie auf die Bitte ihres Ex-Freundes, des ehemaligen Bankers und Schwarzgeldschiebers Antero Kraft, ein, ihm bei seinem geplanten Ausbruch aus dem Gefängnis behilflich zu sein, um so schnell wie möglich zu einem Geldversteck in der Nähe von Helsinki zu gelangen. Die gemeinsame Flucht gelingt, das Paar und ihr Fahrer tauchen in einem unscheinbaren Motel ab. Doch der weitere Verlauf der Dinge entspricht alles andere als Eevas Erwartungen. - Welche Rolle spielt die Ingermanländerin Ifigenia in Anteros Leben? Der Polizei ist Ifigenia als Geliebte des Unterweltbosses Karl Erik Miesmann bekannt. Und ausgerechnet der sexsüchtige Kriminaloberwachtmeister und Familienvater Mikko Koitere, der seine regelmäßigen Eskapaden mit nebenberuflichen Spitzeltätigkeiten für Miesmann finanziert, wird mit der Beschattung der Frau beauftragt. Gleichzeitig spitzt sich die Lage in dem Motelzimmer zu, als zwei von Miesmanns Schergen zusammen mit Ifigenia die Szenerie betreten. - Der Turkuer Privatdetektiv Jussi Vares führt ein chaotisches Single-Leben und sieht mit Midlife-Crisis-Erscheinungen bangend seinem 40. Geburtstag entgegen. Nach einem Besuch bei seinem Onkel beschließt er, an einer auf dem Weg liegenden Cafeteria anzuhalten. Eine folgenschwere Entscheidung, denn das Lokal ist an ein gewisses Motel angeschlossen. Durch Zufall wird Jussi Zeuge der Ermordung von Eevas und Anteros Fahrer und greift ein. Es folgt eine wilde Befreiungsaktion und natürlich will nun jeder als Erster das 13 Millionen schwere Geldversteck erreichen. Nach und nach kommen immer mehr Intrigen ans Tageslicht und gegen Ende kommt es noch zu dem einen oder anderen, teilweise vorhersehbaren, Gemetzel. Im ersten Drittel kommt die eigentliche Handlung nur schwerfällig in Gang, da zum Teil eher irrelevante Vorgeschichten zu detailliert beschrieben werden, zudem können die allzu pornografisch geschilderten Sexszenen als etwas fehl am Platze empfunden werden. Doch im Laufe der Lektüre steigt nach und nach die Spannung, die schließlich bis zum Ende anhält. Ein eher leichtbekömmlicher Krimi, aber auf jeden Fall lesenswert. dt. Erstausgabe: 2008 - Piper Verlag, München fin. Originalausgabe Keltainen leski: 1999 - Otava, Helsinki aus dem Finnischen von Sanna Klempow und Bernd Lüecke