Literatur Joel Haahtela - Der Schmetterlingssammler (Buchrezension von Frank Rehag, Mai 2008) Dem namenlosen Ich-Erzähler wird 1991 in einem Schreiben mitgeteilt, dass er eine Erbschaft gemacht hat. Doch er kennt diesen Mann namens Henri Ruzicka, der ihm diese Erbschaft hinterlassen hat, nicht. Er geht zu der Kanzlei, die ihm das Schreiben geschickt hat, und dort wird ihm die Rechtmäßigkeit der Hinterlassenschaft bestätigt. Er ist der alleinige Erbe eines Hauses, eines Grundstücks und eines Geldbetrages. Wer war dieser Mann, der ihm all dies vermacht hat? Er sucht das Haus auf und findet in dem abgelegenen und baufälligen Gebäude eine große Schmetterlingssammlung und viele Bücher vor, aber keinen Hinweis auf den Erblasser. In einer Schreibtischschublade entdeckt er ein Bündel alter Briefe, ein Notizbuch, eine kleine Holzschachtel, in der ein weißes blutgetränktes Stoffstück liegt, und eine Postkarte aus Kreta, auf der sein Name steht. Anhand der Briefe, die aus den Jahren 1976 und 1977 stammen, stößt er auf den Namen Anna Prinz, wohnhaft in Pirna in der Nähe von Dresden - ein erster Anhaltspunkt auf der Suche nach der Identität Henri Ruzickas. Obwohl die Schriftstücke 15 Jahre alt sind, schreibt er einen Brief an Anna Prinz, schickt ihn an die vorgefundene Adresse und erhält tatsächlich Antwort aus Deutschland. Sie wohnt noch immer unter der gleichen Anschrift und kannte Henri Ruzicka. Nach weiteren Briefwechseln entschließt er sich, Anna Prinz in Deutschland zu besuchen. Dort erfährt er in vielen Gesprächen mit ihr einiges über das Leben des Henri Ruzicka, aber einen Grund für die Erbschaft erkennen beide nicht. So beschließt er, die Spur weiter zu verfolgen, die ihn nach seinem Abschied aus Deutschland an den Gardasee in Italien und schließlich nach Kreta führt. Doch erst nachdem er wieder nach Finnland zurückgekehrt ist und ein Gespräch mit seinem Vater führt, lüftet sich das Geheimnis um Henri Ruzicka und die Erbschaft. Joel Haahtela legt hier einen äußerst gelungenen und leisen Roman vor, es ist sein erstes ins Deutsche übersetzte Buch. Gekonnt beschreibt er sehr eindringlich die einzelnen Charaktere und ihre Gedanken, was sicher nicht zuletzt in seiner hauptberuflichen Tätigkeit - Haahtela ist Psychiater - begründet ist. Auch die Übersetzung von Sandra Doyen ist sehr gelungen. Einzig die kleine geographische Unaufmerksamkeit, das Erzgebirge der Sächsischen Schweiz zuzuschreiben, kann kritisiert werden. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass hier ein sehr empfehlenswerter Roman veröffentlicht wurde. Ebenso ist der Schutzumschlag des Buches mit den vielen aufgedruckten bunten Schmetterlingen ein Hingucker. dt. Erstausgabe: 2008 - Piper Verlag, München fin. Originalausgabe Perhoskerääjä: 2006 - Otava, Helsinki aus dem Finnischen von Sandra Doyen