Literatur Satu Taskinen - Der perfekte Schweinsbraten (Buchrezension von Frank Rehag, August 2013) Die Handlung dieses Romans ist sehr übersichtlich. Es geht um einen einzigen Tag - Allerheiligen -, an dem die in Wien lebende Finnin Taru Korhonen der österreichischen Familie ihres Lebensgefährten eine gute Gastgeberin sein möchte und vor allem der zukünftigen Schwiegermutter beweisen will, dass sie die richtige Frau für deren Sohn ist und als perfekte Schwiegertochter einen perfekten Schweinsbraten hinbekommt. Entsprechend des kurzen Zeitrahmens dieser Geschichte ist die Anzahl der vorkommenden Personen neben der Hauptprotagonistin und Ich-Erzählerin überschaubar. Es gibt den Lebensgefährten, der im Roman fast ausschließlich der Österreicher genannt wird und ab und an auch Franz heißen darf. Es gibt die zukünftige Schwiegermutter, die im Roman durchgehend Frau Mutti heißt. Es gibt die Schwester des Österreichers, Marie-Luisa, deren rebellische Tochter Elisabeth sowie Maximus, den Hund. Und dann gibt es noch die Nachbarin Frau Berger, eine pensionierte Schauspielerin und Tarus beste wie auch einzige Freundin in der Stadt. Sie alle kommen - früher oder später - zum Essen bei Taru und dem Österreicher zusammen. Bis es allerdings soweit ist, befindet sich Taru auf einem äußerst holprigen Weg zum perfekten Schweinsbraten und auf der langen Suche nach dem idealen Rezept und der besten Zubereitung begibt sie sich in ein Internetforum und befragt auch die alte Frau Berger. Allerdings bleiben ihre Fragen meist unbeantwortet und nichts gelingt wirklich gut. Frau Mutti erweist sich dann auch sofort nach ihrem Eintreffen als die erwartungsgemäß fiese Schwiegermutter, die sowohl an dem Essen als auch an Taru kein gutes Haar lässt und ständig kritisiert. In ihren Augen ist eine zugereiste Finnin einfach nicht die richtige Frau für ihren Sohn. Zwar bemüht sich der Österreicher immer wieder, die angespannte Situation zu entschärfen, aber auch das eher erfolglos. Kleine, mittlere und größere Katastrophen reihen sich aneinander. Taru versucht krampfhaft, das Fest ihres Lebens zu retten und endlich in die Familie des Österreichers integriert zu werden, damit sie nicht länger die Fremde ist. Für sie ist es im übertragenen Sinn ein Kampf um Leben oder Tod und nicht gerade zufällig spielt diese Geschichte an Allerheiligen. Eine tragikomische Geschichte über das Leben im Allgemeinen und die Familie im Besonderen mit all den nötigen Zutaten für die richtige Würze: Konflikt und Idylle, Tradition und Moderne, Gruppendynamik und Außenseitertum, Einsamkeit und Geselligkeit, Tragödie und Komik - vermutlich werden sich die meisten Leser bei der Lektüre an Situationen in ihren eigenen Familien erinnern. Trotz aller Ernsthaftigkeit, die diesem Roman zu Grunde liegt, gibt es sehr viel Raum für Situationskomik und auch Klischees, die Satu Taskinen mit einem Augenzwinkern hat einfließen lassen. Besonders amüsant sind die Stellen im Buch, wie scheinbar Österreicher über Finnen und Finnen über Österreicher denken. Der perfekte Schweinsbraten ist ein durch und durch gelungenes Romandebüt. - Bemerkenswert sind die Parallelen im Leben der Autorin und der Hauptfigur: Taru Korhonen hat Philosophie studiert - ebenso Satu Taskinen, Taru Korhonen ist mit einem Österreicher liiert und lebt in Wien - ebenso Satu Taskinen. Inwiefern autobiografische Züge in diesen Roman eingeflossen sind, bleibt ein Geheimnis der Autorin. dt. Erstausgabe: 2013 - Transit Verlag, Berlin fin. Originalausgabe Täydellinen paisti: 2011 - Teos, Helsinki aus dem Finnischen von Regine Pirschel