Literatur Taavi Soininvaara - Der Finne (Arto Ratamo-Reihe, Bd. 7) (Buchrezension von Bettina Dauch, Januar 2010) Der 83-jährige, blinde Otto Forsman spürt, dass es soweit ist: “Sie” haben ihn aufgespürt und er muss schleunigst in sein bereits vorbereitetes Versteck verschwinden. Seit 60 Jahren ist er im Besitz eines geheimen Dokuments namens ‘Schwert des Marschalls’, das als das wichtigste Schriftstück der finnischen Geschichte gilt. Als “sie” ihn tatsächlich ausfindig machen, flüchtet er rechtzeitig und wartet die nun folgende, von ihm seit vier Jahrzehnten bis ins kleinste Detail geplante Kettenreaktion ab. Er hat dafür gesorgt, dass ein bestimmter Brief nach seinem Verschwinden an seinen Sohn, den in London lebenden Historiker Eerik Sutela, geschickt wird. Der 40-jährige soll das wichtige Dokument retten, das sein Vater an einem unbekannten Ort versteckt hat. In dem Brief bekommt er die nötigen Informationen und Ratschläge, wie er sich von nun an zu verhalten hat. Dabei wird ihm auch ein Polizist als Begleitung für die bevorstehende Reise nach Ivalo empfohlen, doch der ausgewählte Polizeibeamte lässt sich von seinem jüngeren Kollegen Arto Ratamo vertreten. Ebenfalls auf Forsmans Rat hin wird zusätzlich die in Ivalo ansässige Wildnisführerin Taru Otsamo für den weiteren Verlauf der Reise angeheuert, über deren wahren Grund Sutela seine Begleiter jedoch zunächst nicht informiert. In Tarus Auto fährt das Trio ins russische Gebiet Petsamo. Der Zielort liegt gleich hinter der Grenze, wo Sutela in einer Felsenhöhle eine Kassette findet, in der er das ‘Schwert’ vermutet. Doch diese enthält nur einen weiteren von seinem Vater verfassten Brief, in dem ein neuer, nur von Eerik zu entschlüsselnder Hinweis zum wahren Versteck des mysteriösen Dokuments und dazu ein kurzes Geschichtskapitel steht. Als Sutela, Ratamo und Otsamo kurz darauf von einem russischen Militärhubschrauber beschossen und aufgefordert werden, das Papier herauszurücken, muss Sutela seinen Begleitern reinen Wein einschenken. Nachdem sie die Kassette mit dem Brief den Russen überlassen haben, machen sich die drei auf den Weg zurück nach Finnland und zum nächsten Versteck. Bald stellt sich heraus, dass nicht nur der russische Geheimdienst, sondern auch die russisch-orthodoxe Kirche hinter dem ‘Schwert des Marschalls’ her ist. Doch auch die Dose, die Sutela am nächsten Ort findet, enthält einen Brief, dessen Inhalt dem vorigen ähnelt: eine kurze Abhandlung über Teile der (vorwiegend russischen) Geschichte sowie ein neuer verschlüsselter Hinweis auf den nächsten Ort. Nach diesem Schema geht es noch einige Male weiter und das Trio reist quer durch Finnland, die Russen stets dicht auf den Fersen. Gegen Ende ist irgendwie jeder gegen jeden und der Schluss hält noch die eine oder andere Überraschung bereit. Und man wird langsam ungeduldig: Was genau steht nun im ‘Schwert des Marschalls’? Oder existiert das Dokument am Ende doch nicht? Auch wenn die sehr detaillierten Exkurse in die finnisch-russische Geschichte den Laien zuweilen etwas überfordern können, die Schnitzel- und Verfolgungsjagden halten den Leser stets in Atem. Allerdings erinnert die etwas klischeehaft wirkende Beschreibung der Russen gelegentlich an deren Darstellung in amerikanischen Filmen aus der Zeit des Kalten Krieges. Ferner gleitet der Übersetzer an der einen oder anderen Stelle in regional gefärbte Umgangssprache ab, doch wer sich daran nicht stört, kann sich auf einen spannenden Krimi freuen. dt. Erstausgabe: 2009 - Aufbau Verlagsgruppe, Berlin fin. Originalausgabe Marsalkan miekka: 2006 - Tammi, Helsinki aus dem Finnischen von Peter Uhlmann