Literatur Ilkka Remes - Das Hiroshima-Tor (Buchrezension von Birgit Arnold, Oktober 2007) Paris. Auf der Brücke Pont Marie wird eine Handtasche in die Seine geworfen, eine Frau springt hinterher, ein Mann folgt. Der Mann taucht wieder auf - die Frau wird tot geborgen. Doch sie ist nicht ertrunken. Jemand hat ihr unter Wasser die Kehle durchgeschnitten. Die Jagd nach einer geheimnisvollen Diskette ist eröffnet. Timo Nortamo von der europäischen Anti-Terror-Organisation TERA treibt die Ermittlungen gegen den überraschenden Widerstand seiner Vorgesetzten voran und gerät in ein Labyrinth aus mittelalterlichen Karten, genetischen Codes und Echos des Kalten Krieges. In diesem Labyrinth wird der Jäger zum Gejagten, und Außenstehende werden zu Opfern. Die geheimsten operativen Einheiten der Großmächte liefern sich ein immer gefährlicheres Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem sie vor keiner Maßnahme zurückschrecken, um etwas in ihren Besitz zu bekommen, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. - Die Handlung teilt sich in zwei Handlungsstränge auf. Der erste Teil beschränkt sich auf das finnische Machtgefüge, denn die geheimnisvolle Diskette birgt womöglich prekäre Informationen, welche die finnische Präsidentin zum Rücktritt zwingen könnte. Es liegen Vermutungen vor, dass die Präsidentin Kirsti Heino früher eine Handlangerin des KGB war. Ihre Wiederwahl ist in Gefahr. Nortamo findet heraus, dass auf einem Foto, das bei dem Vorfall in Paris aufgenommen wurde, der Schwager der finnischen Premierministerin zu sehen ist. Im Hauptteil sind amerikanische und chinesische TOP-Agenten einem sensationellen Geheimnis auf der Spur. Allerdings werden ihre Ermittlungen in regelmäßigen Abständen von einem Mitarbeiter der TERA gestört. Timo Nortamo eckt mit seinen eigenmächtigen Ermittlungen bei seinen Vorgesetzten an und verliert kurzerhand seinen Job. Das entfacht seinen Ehrgeiz erst recht, denn er ist sich seiner Sache sehr sicher. Damit gefährdet er nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Familie. In einem spannungsgeladenen Tempo führt Ilkka Remes seine Leser von Italien über Russland, Finnland, Deutschland und Belgien weiter in den Kongo, wo es zu einem fesselnden Showdown kommt. Anfangs hat der Leser etwas Mühe, die ganzen Personen den einzelnen beteiligten Organisationen zuzuordnen. Die Ausdauer wird aber belohnt; im letzten Drittel fügen sich die einzelnen Mosaiksteinchen endlich zusammen. Seite für Seite steigt die Spannung. Ein packender Stoff, das Buch wird nur ungern zur Seite gelegt. dt. Erstausgabe: 2006 - Deutscher Taschenbuch Verlag, München fin. Originalausgabe Hiroshiman portti: 2004 - WSOY, Helsinki aus dem Finnischen von Stefan Moster