Literatur Virpi Hämeen-Anttila - Das dreizehnte Kind (Buchrezension von Ulrich Kirsch, November 2008) Norma Johanna Halme, Theaterschauspielerin wie auch - ganz im Geheimen - Autorin, und Franz Joakim Beck, Boulevard-Journalist, beide in ihren Dreißigern, leben in Helsinki und sind Geschwister. Sie ähneln sich nicht sehr, die zurückhaltende, verantwortungsbewusste und im Verborgenen doch so starke Johanna und der zynische, elegante Joakim, vielleicht wurden sie von verschiedenen Männern gezeugt. Doch leidvolle Kindheit und Jugend verbinden beide noch immer. Aufgewachsen sind die Geschwister bei den Eltern ihrer Mutter, die indessen ihre internationale Karriere begann. Tea Hillevi Arola-Pozzuoli, die Mutter, behielt im Namen auch jenen eines ihrer Ex-Ehemänner, weil er in der Musikwelt so gut klingt, sie ist mittlerweile eine gefeierte Pianistin. Wegen einer Handverletzung kehrt die mittlerweile etwa 50- jährige Diva nach Finnland zurück und sucht Kontakt zu ihren Kindern. Auch ihrer Jugendliebe, dem Ornithologen Ilkka Nevalainen, hat sie ihre Heimkehr angekündigt. Das ließ bei Ilkka, der nie aufgehört hat, Tea zu lieben, neue Hoffnungen entstehen. Die Beziehungen zwischen Tea und ihren Kindern bzw. ihrer Jugendliebe werden eher unwichtig, als Johanna auf einer Kurzkreuzfahrt nach Tallinn den geheimnisvollen Esten Tiit Mihkelson kennenlernt. Völlig auf den Kopf gestellt wird Johannas Leben aber durch Maja, einem etwa vierjährigen Kind aus Russland, für das ihr Bruder Joakim die Verantwortung übernehmen soll, der sich damit völlig überfordert fühlt. So kommt es, dass sie sich als seine ältere Schwester um das kleine Mädchen kümmert. Die Lösung all dieser Beziehungsknoten wirft zum Schluss rechtliche und moralische Fragen ungeahnter Tragweiten auf. Die Leser werden selbst entscheiden müssen, ob die Protagonisten richtig gehandelt haben... Kern von Virpi Hämeen-Anttilas erstem auf deutsch erschienenen Roman sind Verantwortung und Liebe: Wer hat sie für wen, wie weit gehen sie und kann der eine Aspekt den anderen aufwiegen? Für deren Darstellung hat die Autorin eine interessante Geschichte geschrieben. Dabei gibt es wahre Schmuckstücke der Erzählkunst - etwa die Beschreibung eines Konzertbesuches von Johanna und Tea -, aber leider auch Teile, die eher an einen Heftroman erinnern, zu rund, zu glatt geht es dort ab. Und trotzdem, die positiven Aspekte überwiegen: Die Autorin erzählt so, dass alle, die mit dem Buch anfangen, zu Ende lesen werden, weil sie wissen wollen, wie sie ausgeht, die Geschichte. dt. Erstausgabe: 2008 - btb Verlag innerhalb der Verlagsgruppe Random House, München fin. Originalausgabe Kolmastoista lapsi: 2005 - Otava, Helsinki aus dem Finnischen von Meike Frese