Literatur Matti Rönkä - Bruderland (Buchrezension von Frank Rehag, Mai 2008) Privatdetektiv Viktor Kärppä, Rückwanderer aus Sortavala in Russisch-Karelien, führt nur noch nebenher sein Detektivbüro. Seinen Lebensunterhalt verdient er unter anderem als Subunternehmer für Baufirmen in Helsinki, mit einem kleinen Kiosk an einem Autobahnrastplatz an der Strecke Helsinki-Porvoo, mit dem Handel von Haushaltsgeräten im finnisch-russischen Grenzgebiet und mit vielen anderen kleineren Tätigkeiten - immer am Rande der Legalität. Aufgrund seiner Kontakte sowohl zur finnischen Polizei als auch zu russischen Kreisen wird er von beiden unter Druck gesetzt, als in Helsinki Jugendliche an verunreinigtem Heroin sterben. Sind russische Banden für das Heroin verantwortlich oder doch einheimische finnische Drogenhändler? Mit Hilfe seiner Verbindungen nach Russland soll Kärppä den Kopf der Bande ausfindig machen. Ausgerechnet gleichzeitig mit den Todesfällen taucht auch sein Bruder Aleksej in Finnland auf. Hat er etwas mit der Sache zu tun? Die Grenze zwischen Finnland und Russland ist schon lange Schauplatz für kleinkriminelle Geschäfte. Matti Rönkä nimmt sich dieser Tatsache an und bringt sie anschaulich in seinen Romanen unter. Auch beschreibt er wunderbar die Welt der finnisch-russischen Emigranten. Das sind vor allem ehemalige sowjetische Staats- angehörige aus Karelien, die ihre Wurzeln eigentlich in Finnland haben und denen nach dem Niedergang der Sowjetunion die Möglichkeit zur Rückkehr nach Finnland garantiert wurde. Zu jenen gehört auch Rönkäs Hauptfigur Viktor Kärppä. Die Mischung aus diesen Hintergründen und der Handlung der Kriminalgeschichte machen Bruderland zu einem etwas anderen Krimi, in dem nicht Polizisten die Helden sind, sondern ein bezüglich der Legalität grenzwertiger Privatdetektiv. Dazu sagte Rönkä einmal selber: “Ich wollte einen einmaligen und entschieden anderen Typ von Darsteller, keinen saufenden, geschiedenen Polizisten mittleren Alters.” Hervorragend! Wenn er so weiter schreibt wie in seinem ersten Roman Der Grenzgänger oder in diesem hier, wird er einer der ganz Großen seiner Zunft. dt. Erstausgabe: 2008 - Grafit Verlag, Dortmund fin. Originalausgabe Hyvä veli, paha veli: 2003 - Gummerus Kustannus Oy, Helsinki aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara