Literatur Harri Nykänen - Ariel. Tod der Spinnenfrau (Buchrezension von Frank Rehag, Mai 2011) Kriminalkommissar Ariel Kafka und seine Kollegen Arja Stenman und Miko Simolin werden durch einen anonymen Anruf zu  einem Tatort gerufen, an dem sie zwei Leichen finden. Es ist die Wohnung von Maija Erkkilä, die unter dem Namen  “Lappland-Hexe” einen Telefondienst als Hellseherin und Fernheilerin betrieb, zeitlebens mit Kriminellen verkehrte und in  Polizeikreisen als Spinnenfrau bekannt war. Sie ist eines der beiden Opfer. Beim zweiten Opfer staunen die Polizisten  allerdings nicht schlecht: Es handelt sich um den bereits pensionierten Aimo Ikonen, ehemals stellvertretender Polizeichef  und Vorgesetzter Kafkas. Im Zuge der Ermittlungen kratzen Kafka und sein Team sehr stark an der scheinbar unbefleckten  Fassade des damaligen Vorzeigepolizisten. Dieser hatte einst tatsächlich ein Verhältnis mit Maija Erkkilä und angeblich  existiert auch ein Sohn aus dieser Beziehung. War die Tötung eine Eifersuchtstat von einem der drei Ex-Ehemänner  Erkkiläs? Oder liegt das Motiv im Drogenmilieu? Steckt vielleicht der Drogendealer Lappalainen hinter der Tat, vor dem auch  Erkkilä große Angst hatte? Immerhin betrieb Ikonens ältere Tochter Tarja jahrelangen Drogenmissbrauch und starb einen  Monat zuvor an einer Überdosis. Als in Ikonens Haus eine große Menge Geld auftaucht, wird dieser zudem verdächtigt, an  einem knapp zwanzig Jahre zurückliegenden Bankraub beteiligt gewesen zu sein. Haben eventuell ehemalige Komplizen auf  Rache sinnen wollen und ihre Hände im Spiel? Ein etwa im gleichen Zeitraum erfolgter, rätselhafter Überfall in einem Hotel,  zu dem Ikonen ermittelt hat, erscheint nun auch in neuem Licht. Opfer waren der seinerzeit amtierende Außenminister  Matinoja und der ehemalige Generaldirektor der Sozialversicherung, Kaipio. Wurde damals etwas verheimlicht und Ikonen  musste nun dafür büßen? Und warum ist sein Nachbar Salo, ebenfalls ein ehemaliger Polizist, an diesem Fall so interessiert?  Jedenfalls haben sämtliche Verdächtige eines gemein: Sie sind auf ihre Art alle mit der Spinnenfrau bekannt gewesen. Wie  sich die Fäden schließlich zusammenziehen, bleibt bis zum Ende offen. Lediglich Saara, Ikonens jüngere Tochter, ist in  diesem scheinbar verworrenen Geflecht aus Vertuschung und Klüngelei ein Lichtblick und hinterlässt  einen bleibenden Eindruck auf Kafka, der sich überdies mit seinem in der Lebensmittenkrise befindlichen  Bruder Eli herumschlagen muss.  Harri Nykänens zweiter in deutscher Sprache erschienener Kriminalroman um den jüdischen Kommissar  Ariel Kafka weiß erneut zu überzeugen und sollte den Hauptprotagonisten Kafka in der deutschen  Krimiliteraturszene weiter etablieren. Nykänen, der lange Zeit als Polizeireporter für eine große finnische  Tageszeitung arbeitete, weiß nun mal, wovon er schreibt. Die einfache und klare Sprache - hier auch ein  Lob an die Übersetzerin - sowie die interessante Geschichte um Kriminelle und angeblich honorige  Vorzeigepersonen machen Ariel. Tod der Spinnenfrau zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Die Liste  der Namen und eine Kurzbeschreibung der handelnden Personen zu Beginn des Buches sind eine gute  Idee und erweisen sich als hilfreich. Bei Krimifans wird nach Beendigung der Lektüre das Warten auf den  dritten Roman um Ariel Kafka beginnen.  dt. Erstausgabe: 2011 - Grafit Verlag, Dortmund fin. Originalausgabe Ariel ja hämähäkkinainen: 2005 - WSOY, Helsinki aus dem Finnischen von Regine Pirschel