Literatur Antti Tuuri (ein Autorenporträt von Frank Rehag, Juli 2008) Antti Elias Tuuri wurde am 1. Oktober 1944 in Kauhava (Pohjanmaa) geboren, etwa 70 km östlich von Vaasa und 35 km nördlich von Seinäjoki gelegen. Aus dem Privatleben des Schriftstellers ist relativ wenig an die Öffentlichkeit gelangt. Tuuri ist studierter Diplom-Ingenieur im grafischen Bereich. 1963 machte er sein Abitur an der Oberschule in Vimpeli, seinen Diplomabschluss erreichte er 1972 an der Technischen Hochschule in Helsinki. Über die Wahl seines Studiengangs sagte er, dass ihn die Ingenieur- tätigkeit nicht so sehr interessiert habe, sondern vielmehr die Erzählungen seines Vaters und dessen Studienkollegen über die schöne Studentenzeit. So verließ Tuuri nach eigener Aussage die Hochschule auch eher als Techniker denn als Ingenieur. Schon während seines Studiums nutzte Antti Tuuri das Magazin ‘Äpy’ als Veröffentlichungsplattform. ‘Äpy’ ist das älteste finnische Satiremagazin, das immer zu Vappu von den Studenten der Technischen Hochschule Helsinki veröffentlicht wird. Die Erstausgabe dieses Magazins kam jedoch zu Weihnachten 1948 heraus. Gegen Ende seines Studiums erschienen 1971 sein erster Roman Asioiden suhteet sowie die Erzählungen Lauantaina illalla (ebenfalls 1971) und Seitsemän kertomusta  (1972). Nach seinem Ingenieur-Abschluss arbeitete Tuuri in verschiedenen Firmen im grafischen Bereich, veröffentlichte während dieser Zeit aber auch verschiedene Romane und Erzählungen. Erst seit 1983 arbeitet er hauptberuflich als Schriftsteller. Von 1980 bis 1982 war er Vorsitzender des finnischen Schriftstellerverbandes. Aufgrund dieser Tätigkeit nahm er 1980 am Kongress des Europäischen Schriftstellerverbandes in Wien teil, wo er den isländischen Schriftsteller Njörður P. Njarðvík traf. Aus dieser Begegnung folgten viele Islandreisen sowie die Liebe Tuuris zu diesem Land, deren Ergebnis die Veröffentlichung Suuri pieni maa im Jahr 1993 war. In deutscher Übersetzung erschien dieses Buch 1998 unter dem Titel Großes kleines Land. Bereits 1983 wurde Tuuri von der isländischen Präsidentin Vigdís Finnbogadóttir das “Ritterkreuz des Ordens vom Isländischen Falken” verliehen. Überhaupt ist Antti Tuuri in seinem Leben viel gereist. Während seiner Studienzeit arbeitete er in Deutschland, woraufhin sich ein bis heute andauerndes Interesse an Leben und Kultur der Deutschen entwickelt hat. Das merkt man auch in seinem 1985 erschienenen Roman Viisitoista metriä vasempaan, in dem er einen Vertreter in einem VW-Bus voller Bücher auf eine abenteuerliche Reise nach Frankfurt schickt. 2002 kam dieser Roman unter dem Titel Fünfzehn Meter nach Links in Deutschland heraus. Seine Reisen um die Welt haben ihm zudem große Kenntnisse über Amerika und Kanada beschert, die vor allem in den Romanen der als ‘Pohjanmaa-sarja’ und ‘Äitini suku-sarja’ bekannten Romanserien zum Tragen kommen. Bei der letztgenannten Serie geht es vor allem um nach Amerika ausgewanderte Finnen. - Bekannt ist Antti Tuuri aber vor allem durch und für seine Romane aus der ‘Pohjanmaa-Serie’, die sich mit den Menschen aus Pohjanmaa befassen. Der erste Roman aus dieser Reihe wurde 1982 veröffentlicht und war der Namensgeber dieser Serie: Er heißt Pohjanmaa. Es folgte 1984 Talvisota, ein Roman, der sich mit dem Finnisch-Sowjetischen Winterkrieg beschäftigt und die Erlebnisse der aus Pohjanmaa stammenden Soldaten an der Front schildert. In Deutschland erschien dieser Roman 1992 unter dem Titel Winterkrieg. Die weiteren Bücher dieser Reihe heißen Ameriikan reiti (1986), Uusi Jerusalem (1988), Maan avaruus (1989) und Lakeuden kutsu (1997). Für Pohjanmaa ehielt Tuuri im Jahr 1985 den Literaturpreis des Nordischen Rates, für sein Werk Lakeuden kutsu im Jahr 1997 den Finlandia-Preis, einen der renommiertesten Literaturpreise Finnlands. Die meisten Bücher der ‘Pohjanmaa-Serie’ wurden verfilmt: Pohjanmaa (1988, Regie: Pekka Parikka), Talvisota (1989, Regie: Pekka Parikka), Ameriikan reiti (1990, Regie: Lauri Törhönen) und Lakeuden kutsu (2000, Regie: Ilkka Vanne). Oft wirkte Tuuri selbst beim Schreiben der Drehbücher mit. Neben seinen Prosawerken und den Film- und TV-Drehbüchern schrieb er auch Schauspiele und Hörbücher. Seine große Produktivität erklärt Tuuri damit, dass ein freier Schriftsteller auch Samstags arbeiten kann, wenn andere lieber frei haben. Antti Tuuri ist in Finnland einer der geschätztesten und meist beachteten Autoren seiner Generation. Seine Werke bereitet er äußerst sorgfältig vor, oft führt er vorher ausführliche Gespräche, wodurch er eine hohe Genauigkeit und Glaubhaftigkeit in seinen Erzählungen erreicht. Sein Erzählstil ist oft knapp und präzise, nüchtern und auch mit einem trockenen, auf den ersten Blick nicht immer gleich erkennbaren Humor versehen. Momentan wird keines seiner bislang in Deutschland erschienen Bücher verlegt. Allerdings sind sie in gut sortierten Antiquariaten oder den im Internet bekannten Plattformen erhältlich. Neben den bereits genannten Büchern sind dies noch Der steinigste Ort (eine Sammlung von Erzählungen aus Tuuris Anfangszeit als Schriftsteller) und Loch im Himmel. Pentti Kirstilä (Autorenfoto: Irmeli Jung) Autorenfoto: Pertti Nisonen